Woran erkenne ich, wie meine Sonnencreme wirkt?

Ich weiß noch genau, wie ich letztes Jahr vor der Entscheidung stand: Mit was creme ich denn nun mein 1-Jähriges Kind ein. Das erste Jahr sind wir gut ohne Sonnencreme ausgekommen, aber mit einem mobilen Kind, das Baden über alles liebt, kommt man nicht drum herum, einen UV-Schutz aufzutragen. Ich fuhr also los, zu meiner Drogerie und stand vor einem riesigen Regal. Das Regal voller Sonnenschutzmittel: Sensitiv, for kids, Family..... Das hatte ich mir einfacher vorgestellt. Rein, Creme für Kinder einpacken, bezahlen und raus. Tja, wie naiv man doch manchmal ist. Also lies ich mich von der Verpackung und den Werbesprüchen beeinflussen und ging siegessicher damit nach Hause. Zu Hause begann ich dann erst, mich zu informieren. Ich brachte die Creme zurück.
Damit ihr es leichter habt, im Sonnencreme-Dschungel die für euch richtige Sonnencreme zu finden, zeige ich euch heute, worauf es ankommt, auf welche Inhaltsstoffe man achten sollte und wie sie wirken. 






Ich möchte euch nicht vorkauen, welche Sonnencreme ihr denn jetzt bitte für eure Kinder oder für euch selbst verwenden sollt. Ich biete euch lediglich eine Übersicht der Substanzen in Sonnenschutzmitteln, damit ihr erkennt, wie sie wirken.


Chemische und physikalische UV-Filter
Wie ihr Name schon sagt, sollen Lichtschutzmitteln uns vor den ultravioletten (UV) Strahlen des Lichts zu schützen. Die Zusammensetzung des Mittels ist davon abhängig, welcher UV-Filter zum Schutz vor UV-Strahlung verwendet wird. Um die Haut vor UV-Strahlung zu schützen, gibt es zwei verschiedene Arten von UV-Filtern. Chemische Filter wandeln die UV-Strahlen auf der Haut in Wärme um, während physikalische (mineralische) Filter das Sonnenlicht auf der Haut reflektieren und streuen 1.


Was ist drin in den Lichtschutzmitteln

Sowohl chemische (organische) als auch physikalische (anorganische, mineralische) schützen uns vor UV-Strahlung. Organische Substanzen wandeln die UV-Strahlung in Wärme um (Stokes-Shift), während die anorganischen Substanzen die Strahlung reflektieren, streuen und absorbieren2. Anorganische Substanzen sind, wie der Name schon sagt, keine organischen Verbindungen, sondern winzige Partikel aus zum Beispiel Halbmetallen wie Zinkoxid oder Titandioxid. Sind die Partikel in mindestens einer Dimension kleiner als nm, nennt man sie Nanopartikel. Enthält eine Sonnencreme mineralische Filter im Nanopartikelbereich, muss das mit (nano) gekennzeichnet werden. In Sonenncremes, die nur rein chemisch wirkende UV-Filter enthalten sind NIE Nanopartikel drin.



Bild 1: Wirkmechanismus von organischen (links) und anorganischen (rechts) Filtern 2

Vorteile der mineralischen UV-Filter
  • Sie schützen vor einem sehr breiteren UV-Lichtspektrum2
  • Sie sind photostabiler (sie zerfallen nicht bei UV-Strahlung und verlieren so keine Wirkung)2
  • Mineralische Filter dringen nicht in die Haut ein (vorrausgesetzt sie sind ohne Nanopartikel) und haben keinen Einfluss auf den Stoffwechsel unseres Körpers. Darüber hinaus können organische UV-Filter beim Absorbieren der UV-Photonen Radikale freisetzen und sogar das Kollagen, Elastin oder Hautzell-DNA schädigen4.
  • Sie  besitzen eine geringere Allergenität 3 und verursachen weniger Hautirritationen5, weshalb sie für Kinder besser geeignet sind, als chemische Filter6
Eine für Kinder geeignete Sonnencreme enthält einen mineralischen UV-Filter ohne Nanopartikel, ist bestenfalls Wasserfest und hat so wenig Zusatzstoffe (Duftstoffe, Parfum, Konservierungsstoffe) wie möglich


Übersicht der verwendeten Substanzen (UV-Filtern) in Lichtschutzmitteln

Wie erkenne ich denn jetzt genau, in diesem Urwald aus komischen Subtanznamen, wie eine Sonnencreme wirkt?
Typische chemische Filter sind zum Beispiel Octocrylene. Typische mineralische UV-Filter Zinkoxid oder Titandioxid. Eine Übersicht der möglichen Substanzen findet ihr in Bild 21.


Klassifizierung von Sonnenschutzmitteln 1

Welchen Einfluss Octrocrylene, Zinkoxid oder Titandioxid auf unseren Körper haben, dem kann ich folgende Publikation empfehlen „Neurotoxic effect of active ingredients in sunscreen products, a contemporary review“7 (weitere Informationen zu der Publikation unten im Quellenverzeichnis).

Ich hoffe, dass es euch weiterhilft zu erkennen, wie die Sonnencreme, die ihr in euren Händen haltet, wirkt. Apps können zwar die Wirkstoffe erkennen und bewerten, bieten jedoch keine Erklärung über die Wirkungsweise des jeweiligen UV-Filters.


Quellenübersicht
1.    Latha MS, Martis J, Shobha V, et al. Sunscreening agents: a review. J Clin Aesthet Dermatol. 2013;6(1):16–26.
2.    Manaia EB, Kaminski RCK, Corrêa MA, Chiavacci LA. Inorganic UV filters. Braz. J. Pharm. Sci. 2013;49(2):201–209. doi:10.1590/S1984-82502013000200002
3.    Wang SQ, Balagula Y, Osterwalder U. Photoprotection: A review of the current and future technologies. Dermatol Ther. 2010;23(1):31–47. doi:10.1111/j.1529-8019.2009.01289.x
4.    Jain SK, Jain NK. Multiparticulate carriers for sun-screening agents. Int J Cosmet Sci. 2010;32(2):89–98. doi:10.1111/j.1468-2494.2010.00547.x
6.    Serpone N, Dondi D, Albini A. Inorganic and organic UV filters: Their role and efficacy in sunscreens and suncare products. Inorganica Chimica Acta. 2007;360(3):794–802. doi:10.1016/j.ica.2005.12.057


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