Inhaltsstoffe von Zahnpasta verstehen

Teil 3: Inhaltsstoffe

In der europäischen Union müssen die Inhaltsstoffe von Kosmetika (Zahnpasta gehört zu den Kosmetika) einheitlich deklariert werden. Die Grundlage dafür bilden die sogenannten INCI-Bezeichnungen (International Nomenclature Cosmetic Ingredients). Das hat den Vorteil, dass egal wo in der EU ihr Kosmetika kauft, ihr immer die gleichen Bezeichnungen bei den Inhaltsstoffen finden werdet. Nachteil: kein Mensch versteht die INCI Bezeichnungen.

Und das möchte ich heute ändern. Denn ich will euch keine Zahnpasta empfehlen, ich möchte euch beibringen, wie ihr die perfekte Zahnpasta für euch findet.







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Schritt 1: Inhaltsstoffe identifizieren: 

Die INCI findet ihr auf der Verpackung oder im Internet (oder beim Hersteller direkt anfragen) .Kleine Helfer können hier auch Apps fürs Handy sein.  Apps wie Cosmile, Barcoo, CodeCheck oder ToxFox können Inhaltsstoffe identifizieren. Einfach das Produkt scannen und fertig. 



Schritt 2: Inhaltsstoffe verstehen



Die Hauptbestandteile von Zahnpasten sind 
  • Wasser zum Lösen der Substanzen
  • Putzkörper, die die Zähne mechanisch reinigen
  • Feuchthaltemittel, die das Austrocknen der Zahnpasta verhindern
  • Bindemittel, die für die gelartige Konsistenz verantwortlich sind und verhindern, dass sich im Inneren der Tube Wasser absetzt
  • Schaummittel, die wie der Name sagt, Schaum beim Putzen bilden
  • Puffer, die den pH-Wert der Zahnpasta neutral halten
  • Konservierungsmittel, die verhindern, dass die Zahnpasta schlecht wird
  • Geschmacks-, Aroma- Duft- und Farbstoffe sowie Süßungsmittel
  • Zusätzlich enthalten Zahnpasten spezielle therapeutische Wirkstoffe zur Karies- und Parodontal-Prophylaxe wie auch zur Desensibilisierung überempfindlicher Zahnhälse


Um all diese Stoffe diesen Gruppen zuordnen zu können (ohne Chemiker zu sein) gibt es eine informationsreiche Broschüre des Industrieverbandes für Körperpflege und Waschmittel, die wirklich ALLE ALLE Inhaltsstoffe, die in Kosmetika verwendet werden, auflistet und deren Funktion erklärt.

Die Broschüre findet ihr hier

Ich habe euch auf meinem Instagram Account gefragt, welche Kinderzahnpasten ihr verwendet. Danke an alle, die mitgemacht haben. In folgender Tabelle findet ihr die von euch meist verwendeten Zahncremes. Ich habe deren Inhaltsstoffe in 10 unterschiedlichen Inhaltsstoffgruppen unterteilt. Orange unterlegte Stoffe sind Stoffe sind leicht bedenklich (Allergiepotenzial) oder es gibt bessere mildere Alternativen. Rot unterlegte Stoffe sollten vermieden werden. Die in rot markierten Inhaltsstoffe sind bedenklich. Die Erklärung und Beurteilung der einzelnen Inhaltsstoffe findet ihr weiter unten. 


Übersicht PDF zum downloaden (Version 2, Stand 04.10.2019)


Schritt 3: Inhaltsstoffe analysieren


Inhaltsstoffe Gruppe 1Fluoride

Fluoride sind Antibakterielle und entzündungshemmende Stoffe. Dazu gab es letzte Woche einen extra Beitrag, den ihr hier findet.

Beispiele: Aminfluorid, Zinkfuorid, Olaflur, Sodium Fluoride, Sodium Monofluorophosphate




Inhaltsstoffe Gruppe 2Schleif- und Putzkörper

Putzkörper sind feinste Partikel (aus zum Beispiel Silikat Verbindungen, Schlämmkreide oder auch aus Marmorpulver), die Plaque und Bakterien, zusammen mit der Zahnbürste, mechanisch von der Zahnoberfläche entfernen. Sie sind vorrangig für die positive Wirkung der Zahnpasta verantwortlich und sollen den Zahnschmelz dabei möglichst schonen. Wie groß der „Abrieb-Effekt“ ist, wird durch den sogenannten RDA-Wert (Relative Dentin Abrasions Wert) angegeben.  Der RDA-Wert einer Zahnpasta zeigt an, wie groß die Putzkörner in der Pasta sind und wie stark abrasiv diese auf den Zahnschmelz wirken. Auch die Beschaffenheit der Zahnbürsten und der Druck, mit dem man putzt haben Einfluss auf diesen Wert, weshalb dieser Wert sehr schlecht messbar ist.
Je höher der Wert, desto mehr Zahnschmelz wird abgerieben. Der optimale RDA-Wert liegt bei 35-60 und darf 250 nicht überschreiten, da ein zu hoher Wert langfristige Schäden an der Zahnhartsubstanz verursacht. Vorsicht: Zahnweiß-Cremes, die zur Zahnaufhellung verwendet werden, erreichen Werte zwischen 100 und 150. Der RDA-Wert muss nicht! auf den Zahnpastatuben abgedruckt sein. Daher ist der Wert bei den meisten Pasten unbekannt.

Empfehlungen: Produkte mit einem RDA-Wert von …
  • über 70: nur für gezielte Anwendungen
  • 30 bis 70: für die regelmäßige Anwendung
  • unter 30: nicht empfohlen, da dann die Reinigungswirkung als zu gering eingeschätzt wird


Ich habe bei Lavera und Elmex die RDA-Werte für ihre Produkte angefragt und beide Hersteller konnten mir keine konkreten Werte mitteilen (jedoch vergewissern, dass sie zwischen 30 und 70 liegen). Grund dafür ist das unzureichend standardisierte und nicht einheitliche Messverfahren sowie die vielen Komponenten, die diesen Wert beeinflussen können.

„Der RDA-Wert ist nach heutigem wissenschaftlichem Stand keine angemessene Methode, um die Sicherheit und das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen von Zahnpasten auf Dentin und Zahnschmelz zu beurteilen. Vielmehr gewährleistet eine schonende Mundhygienetechnik einen Schutz vor abrasivem Substanzverlust beim Zähneputzen. Aus diesem Grund kommunizieren CP GABA und viele andere namhafte Hersteller keine RDA Werte. Wir können Ihnen versichern, dass alle CP GABA Zahnpasten bezüglich ihrer Abrasivität gemäß internationalen Standards sicher für den täglichen Gebrauch sind.“
Verbraucher-Service Colgate-Palmolive

„[…] die Messmethodik nicht genau genug – je Institut gibt es prozentuale Abweichungen.“
Lavera

Beispiele:

Aluminiumoxid (Alumina): Aluminiumoxid ist die Sauerstoffverbindung des chemischen Elements Aluminium. Hierbei handelt es sich aber um etwas anderes, als das Aluminium in Deos, von dem häufig die Rede ist. In Deos werden Wasserlösliche Aluminiumsalze eingesetzt und diese gelten als schädlich. Mit Aluminium in Deos meint man Aluminium Chlorohydrate (Al2Cl(OH)5), Aluminium Chlorid (AlCl3), und viele weitere Aluminiumsalze. Die Sauerstoffverbindung (Alumina Al2O3) ist chemisch inert, was bedeutet, dass es als unbedenklich eingestuft wird.

Titandioxid (Titanium Dioxide): mineralische Partikel (wie auch in der Sonnencreme), auch als weißer Farbstoff nutzbar (Erläuterung weiter unten in Abschnitt 10). Nur Partikel im Nano-Größenbereich bedenklich.


Sanfter zu den Zähnen sind folgende Putzkörper:
Kieselsäure (Hydrated Silica, Siliciumdioxid hydrat): Eine Form von Siliziumdioxid. Es wird als ungiftige Substanz in pharmazeutischen Artikeln sowie in kosmetischen Produkten, in Lebensmittelprozessen (z. B. Bierklärung) und als Putzhilfe in Zahnpasta verwendet. Unbedenklich.

Kreide (Calciumcarbonate): Unbedenklich. Entfernt Materialien von der Körperoberfläche oder unterstützt die mechanische Zahnreinigung oder verbessert den Glanz.

Auch Mikroplastik-Kügelchen wurden einige Zeit als schonende Alternative zu aggressiven Putzkörpern angepriesen. Sie sind aber bedenklich, weil sie in das Körpergewebe eindringen und sich dort anreichern können! Mikroplastik verbirgt sich hinter folgenden Bezeichnungen (dazu mehr weiter unten)

Polyethylen (PE)
Polypropylen (PP)



Inhaltsstoffe Gruppe 3: Waschaktive Substanzen und Schaumbildner (Tenside)
Waschaktive Substanzen, sogenannte Tenside, lockern die Zahnbeläge auf und sorgen dafür, dass sie sich besser abbürsten lassen. Sie sind außerdem für den typischen „Schaum“ verantwortlich. Darin sind die abgelösten Partikel gebunden, so dass wir sie anschließend ausspucken können. Tenside in der Zahnpasta haben Einfluss auf die Zellen der Mundschleimhaut.

Beispiele:

Starke Tenside:
Natriumaurylsulfat (SLS, Sodium Lauryl Sulfate): SLS ein anionisches Tensid mit stark denaturierender Wirkung auf Proteine. Es wird als allergieauslösend und hautreizend betrachtet, weswegen seine Verwendung in Kosmetika umstritten ist. Es beeinflusst das Zellwachstum in der Mundschleimhaut (reduziert die Lebensfähigkeit der Zellen), weswegen Menschen zu Aphten im Mundraum neigen, Natriumlaurylsulfat-haltige Zahnpasten meiden sollten. SLS beeinflusst auch den Geschmack.

Polysorbate 80: Verursacht mögliche Störungen in der Darmflora, Darmentzündungen und Gewichtszunahme (Quelle)

Sodium C14-16 Olefin Sulfonate (α-Olefinsulfonate, AOS): synthetisch hergestelltes Tensid

Mildere Tenside:
Natriumcocosulfat (SCS, Sodium Coco Sulfate): SCS ist ebenfalls ein milderes anionisches Tensid pflanzlichen Ursprungs (aus Kokosnussöl oder Palmöl). Es ist etwas weniger hautreizend ist als Natriumlaurylsulfat. Da jedoch auch SCS gewisse Mengen an Sodium Lauryl Sulfate enthält, können bei häufiger Anwendung unter Umständen die gleichen Symptome wie SLS hervorgerufen werden.

Weitere milde Tenside sind: Sodium Cocoyl Glutamate, Coco Glucoside, Sodium Cocoyl Hydrolyzed Soy Protein, Decyl Glucoside oder Sodium Lauroyl Lactylate, Sodium Methyl Cocoyl Taurate

Kokosbetain (CAPB, Cocamidopropyl, Cocamidopropyl betaine): CAPB ist ein Amphotensid und gilt als Schleimhautverträglich.


Inhaltsstoffe Gruppe 4Geschmacks- und Aromastoffe und Ätherische Öle
Viele Inhaltsstoffe von Zahnpasta schmecken oder riechen nicht besonders gut. Deshalb wird Zahnpasta oft eine Reihe von Geschmacks- und Aromastoffen zugesetzt.

A: Geschmacksstoffe sind Substanzen, die den Geschmackssinn anregen. Geschmacksstoffe lassen sich unterteilen in Süßungsmittel (siehe Inhaltsstoffe 9), Säuerungsmittel, Salze, Bitterstoffe und Geschmacksverstärker.

B: Aromen sind Erzeugnisse, die Lebensmitteln oder Kosmetika zugesetzt werden, um ihnen einen besonderen Geruch und/oder Geschmack zu verleihen. Ein Aroma kann aus zahlreichen Aromastoffen, Aromaextrakten, thermisch gewonnenen Reaktionsaromen, Raucharomen und Aromavorstufen bestehen. Aromastoffe sind chemisch definierte Stoffe mit Geschmack gebenden Eigenschaften (Aromaeigenschaften), die zur Herstellung von Aromen eingesetzt werden. Künstliche Aromastoffe wurden in Deutschland bisher als zulassungspflichtige Zusatzstoffe angesehen.
Hier geht’s zum Zusatzstoffmuseum.

C: Ätherische Öle sind leicht flüchtige und häufig leicht entzündbare Stoffgemische, die aus verschiedenen ineinander löslichen, organischen Stoffen wie Alkohole, Ester, Ketone oder Terpene bestehen. Sie werden synthetisch oder aus natürlichen Quellen durch Wasserdampfdestillation, Extraktion oder Auspressen der Pflanzen oder der Pflanzenteile gewonnen. Vorsicht: Es gibt noch Hersteller, die Palmöl verwenden. Eine Liste der Inhaltsstoffe, die Palmöl enthalten, findet ihr hier.

Der Unterschied von einer Homöopathie-freundlichen Zahnpasta zu einer normalen ist das Weglassen ätherischer Öle, vor allem Menthol!

D: Duftstoffe: Ein Duftstoff ist ein den Geruchssinn anregender, chemischer Stoff, der bei Tieren der Kommunikation dient, beispielsweise als Pheromon. Bei Pflanzen dienen Duftstoffe sowohl der Anlockung von Insekten zur Verbreitung von Pollen, Samen oder Sporen als auch zur Abschreckung.

Beispiele:

Geschmacksstoffe (A), Aromastoffe (B), Ätherische Öle (C), Duftstoff (D):

Nach der Aromen-Verordnung werden die Aromen in sechs Gruppen eingeteilt: Natürliche Aromastoffe, naturidentische Aromastoffe, künstliche Aromastoffe, Aromaextrakte, Reaktionsaromen und Raucharomen.

Carvone (C): kann Allergie auslösend sein

Cinnamomum Zeylanicum Bark Extract (B): Störung des Immunsystems, Asthma- oder Allergiepotenzial

Cinnamal (C): kann zu allergischen Hautreaktionen führen

Coumarin (D): gehört mit Eugenol, Limonenen, Geraniol … zu den Duftstoffen, die als besonders allergieauslösend gelten. Einige als besonders allergen geltende Duftstoffe wie beispielsweise Coumarin, Citral oder Linalool finden sich sogar recht häufig in Naturkosmetik-Produkten. Wer den Verdacht hat, sensibel auf Duftstoffe zu reagieren, sollte auch bei Naturkosmetik auf duftstofffreie „Sensitiv“-Produkte setzen. VORSICHT bei Lavera sensitiv sind sowohl Coumarin als auch Geraniol enthalten.

Elaeis Guineensis Fruit Extract (B): Extrakt aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme

Fragaria Chiloensis Fruit Extract (B): Chile-Erdbeere

Fragaria Vesca Fruit Extract (B) Waldbeerfrucht Extrakt

Limonene (D): Limonene ist ein Naturstoff, der als Nebenprodukt der Orangesaftherstellung abfällt und als Duftstoff und Lösungsmittel benutzt wird. Es kann in höheren Dosen hautreizende Wirkung haben, in den niedrigen Konzentrationen in Zahnpasten gilt es aber als unbedenklich. Isomere des Limonenoxid, die aus Limonen an der Luft entstehen, sind allergieauslösend. Kann auch als biogenes Lösungsmittel oder als natürliches Konservierungsmittel verwendet werden.

Menthol

Mentha Viridis Leaf Oil

Rubus Idaeus Fruit Extract = Himbeerfrucht Extrakt



Inhaltsstoffe Gruppe 5: Binde- und Verdickungs- und Geliermittel, Emulgatoren
Binde- und Verdickungs- und Geliermittel: Diese Stoffe sind für die Pasten- oder gelartige Konsistenz verantwortlich und verhindern, dass sich im Inneren der Tube Wasser absetzt.
Emulgatoren: Emulgatoren sind Hilfsstoffe, die dazu dienen, zwei nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Öl und Wasser, zu einem fein verteilten Gemisch, der sogenannten Emulsion, zu vermengen und zu stabilisieren.

Beispiele

Algin (Alginsäure): wird von Braunalgen und von einigen Bakterien (z. B. Azotobacter) gebildet. Unbedenklich.

Ascorbyl Palmitate (Palmitinsäureascorbylester oder Ascorbylpalmitat): Palmitinsäureascorbylester ist ein Antioxidationsmittel und Emulgator. Es gilt als unbedenklich. Achtung: Ascorbylpalmitat wird durch Veresterung von Ascorbinsäure mit Palmitinsäure gewonnen. Und die Palmitinsäure wird durch die Verseifung von Palmöl gewonnen. Problematik: Die Palmölproduktion führt in Indonesien und Malaysia zur massiven Zerstörung von Regenwäldern und Torfgebieten.

Carbomer: Verleiht einer flüssigen Zubereitung die Konsistenz eines Gels (eine halbfeste Zubereitung mit einer gewissen Elastizität). Unbedenklich.

Carrageenan (Chondrus Crispus Powder, Methylcellulose, Knorpeltang): In Kosmetika eigentlich unbedenklich. In Lebensmitteln können sie problematisch sein, da sie eine abführende Wirkung haben können. Schlucken die Kinder beim Zähne putzen die Pasta runter, sollte sie frei von Carrageenan sein. Für Lebensmittel ist nur eine Mischung bestimmter Carrageenane mit sehr großen Molekülen zugelassen. Bei hoher Dosis kann die Aufnahme von Mineralstoffen (z. B. Kalium) behindert werden. Kleine Carrageenan-Moleküle können die Darmschleimhaut schädigen und Tumore im Darm verursachen. Sie kommen aber nicht in Lebensmitteln vor. Größere Moleküle, die die Lebensmittelindustrie normalerweise einsetzt, haben diese negativen Eigenschaften nicht. Trotzdem muss weiter geprüft werden, ob sich große Moleküle im Darm zu kleinen, bedenklichen Molekülen abbauen können. Wissenschaftler fordern: Kinderlebensmittel sollten vorsichtshalber frei von Carrageen sein. In Einzelfällen allergieauslösend. Vom häufigen Verzehr ist abzuraten.

Cellulose Gum: Ein Verdickungsmittel pflanzlichen Ursprungs. Unbedenklich.

Hydroxyethylcellulose: Ein Verdickungsmittel synthetischen Ursprungs. Zusätzlich ein Filmbildner und Suspensionsstabilisator. Unbedenklich.

Xanthan Gum (E 415): Als Kohlenhydrat ist Xanthan aus verschiedenen Einzelzuckern aufgebaut und sieht in Reinform aus wie Puder oder Mehl. Es wird von einer bestimmten Bakterienart, Xanthomonas campestris, und einigen verwandten Mikroorganismen produziert, die Zucker in Xanthan umwandeln. Es gilt als unbedenklich, lediglich in hohen Dosen kann es abführend wirken.




Inhaltsstoffe Gruppe 6: Feuchthaltemittel
Feuchthaltemittel verhindern, dass die Zahnpasta austrocknet, selbst wenn sie einmal offen liegen bleibt.

Beispiele:

Glycerin (Glycerine): Als Grundbaustein aller Fette kommt Glycerin in allen lebenden Zellen vor. Wegen seiner wasserbindenden Eigenschaften wird Glycerin eingesetzt, um das Austrocknen von Lebensmitteln zu verhindern. Glycerin wird chemisch aus Propylen synthetisiert oder aus tierischen Fetten. Auch die Gewinnung aus pflanzlichen Fetten ist möglich, wobei meist Kokosöl verwendet wird.

Hydrogenated Starch Hydrolysate: Feuchthaltemittel gewonnen aus Maisstärke, aber auch Kartoffel- oder Weizenstärke. Unbedenklich.

Propylene Glycol (1,2-Propandiol) E1520: Erhöht oder verringert die Viskosität (Zähigkeit) kosmetischer Produkte. (Auch als Co-Tensid einsetzbar). In Zahnpasten als Feuchthaltemittel und Weichmacher enthalten. Die antimikrobielle Wirksamkeit macht einen Einsatz weiterer Konservierungsmittel häufig überflüssig.

Sodium Lactate

Sorbitol (Sorbitol) E420: Erklärung bei Süßungsmittel



Inhaltsstoffe Gruppe 7: Konservierungsstoffe und Antioxidantien
Konservierungsstoffe erhöhen die Haltbarkeit von Lebensmitteln, indem sie den Verderb durch Schimmelpilze oder Bakterien hinauszögern.
Ein Antioxidans (oder Antioxidationsmittel) ist eine chemische Verbindung, die eine Oxidation anderer Substanzen verlangsamt oder gänzlich verhindert, was bedeutet, dass es Reaktionen, die durch Sauerstoff gefördert werden, hemmt und so das Ranzig-werden von Inhaltsstoffen verhindert.

Beispiele:

Ascorbyl Palmitate (Palmitinsäureascorbylester oder Ascorbylpalmitat): Palmitinsäureascorbylester ist ein Antioxidationsmittel und Emulgator. Es gilt als unbedenklich. Achtung: Ascorbylpalmitat wird durch Veresterung von Ascorbinsäure mit Palmitinsäure gewonnen. Und die Palmitinsäure wird durch die Verseifung von Palmöl gewonnen. Problematik: Die Palmölproduktion führt in Indonesien und Malaysia zur massiven Zerstörung von Regenwäldern und Torfgebieten.

Benzylalkohol (Benzyl Alcohol) E1519: Allergische Reaktionen möglich. Vom häufigen Verzehr ist abzuraten.

Disodium EDTA ist ein Antioxidant und Komplexbildner, also einen Stoff, der sehr leicht mit anderen Substanzen eine Bindung eingehen kann. Es trägt manchmal dazu bei, dass sogar solche Zutaten miteinander reagieren, die das unter normalen Umständen nicht tun würden. Unter der Bezeichnung E 385 ist EDTA in der EU auch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, wo er Fertigsaucen emulgiert und dazu beiträgt, dass sich Wasser und Öl in Halbfettmargarine verbinden. Auch in Konserven findet man EDTA, denn seine zweite große Leidenschaft sind Metalle. Er fängt sie ein und sorgt so dafür, dass Gemüse und Ravioli nicht nach Dose schmecken. EDTA wird als ökologisch bedenklich, also umweltschädlich, eingestuft. Das liegt daran, dass der Stoff - wenn überhaupt - nur sehr langsam abgebaut wird. EDTA kann Schwermetalle lösen. Wie ein Magnet nimmt es alle möglichen Schwermetalle huckepack und bringt sie dadurch in die Nahrungskette. Sowohl im Grund- als auch im Trinkwasser ist die Chemikalie nachweisbar. In Bezug auf Kosmetikprodukte besteht der Verdacht, dass EDTA wie eine Art Taxi wirken kann, das es bedenklichen Inhaltsstoffen wie Parabenen oder chemischen UV-Filtern erleichtert, die Hautbarriere zu passieren und ins Innere des Körpers zu gelangen. Wer häufig Fertiggerichte aus Dosen isst, riskiert einen Mangel an Eisen, denn an EDTA gebunden können Magen und Darm es nicht richtig verwerten.



Methyl- und Ethylparaben sind in mehreren Opinions des SCCP (Scientific Committee on Cosmetic Products) und seiner Nachfolgeorganisation SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety) als sicher in einer Konzentration von bis zu 0,4 % bewertet worden (SCCP/0873/2005; SCCP/1017/2006; SCCP/1183/2008; SCCS/1348/2010). Obwohl sie eine schwach endokrine Wirkung im Uterotrophie-Assay zeigen, ist ihre östrogene Potenz viel geringer als die von Propyl- oder Butylparaben. (Quelle)
Parabene gelten als problematisch, denn sie können eine hormonartige Wirkung auf den Körper entfalten. Weil die Verbraucher in den letzten Jahren für dieses Thema sensibilisiert wurden, haben viele Hersteller ihre Rezepturen inzwischen umgestellt.

Sodium benzoate: hemmt in erster Linie die Entwicklung von Mikroorganismen in kosmetischen Mitteln. Bei empfindlichen Personen mit Asthma, Heuschnupfen oder Hautallergien (Neurodermitiker) können allergische Reaktionen ausgelöst werden. Vom häufigen Verzehr ist abzuraten.

Sorbinsäure (Sorbic Acid) E202

Tocopheryl acetate: Ein Antioxidant mit Allergie- und Reizungspotential



Inhaltsstoffe Gruppe 8: Puffer
Der pH-Wert gibt die Stärke der sauren bzw. basischen Wirkung einer wässrigen Lösung an. Reines Wasser besitzt einen pH-Wert von ungefähr 7 und wird als neutral bezeichnet. Ist er niedriger, so spricht man von einer sauren Lösung, liegt er höher, von einer alkalischen. Werden verschiedene Substanzen miteinander vermischt, kann dies zu einer unerwünschten Veränderung des pH-Wertes führen. Um das zu verhindern und den pH-Wert stabil zu halten, werden Puffer eingesetzt, die den pH-Wert stabil halten.

Beispiele:
Sodium Hydroxide, Calcium Carbonate, Sodium Lactate, Trisodium Phosphate, Disodium Phosphate, Tetrapotassium Pyrophosphate, Calcium Glyceropgosphate



Inhaltsstoffe Gruppe 9: Süßungsmittel
Bei der Zulassung von Süßungsmitteln wurde in Deutschland bisher zwischen Süßstoffen und Zuckeraustauschstoffen unterschieden.


Süßstoffe
Süßstoffe sind synthetisch hergestellte oder natürliche Ersatzstoffe für Zucker, die dessen Süßkraft erheblich übertreffen. Sie haben keinen oder einen sehr geringen physiologischen Brennwert (keine Kalorien). Außerdem bieten sie Karies verursachenden Bakterien keine Nahrung, da sie von der Mundflora nicht verstoffwechselt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält den Einsatz der innerhalb der EU zugelassenen Süßstoffe für gesundheitlich unbedenklich, sofern die jeweiligen Höchstmengen nicht überschritten werden

Beispiele:

Stevia

Sodium saccharin (synthetischer Süßstoff): Saccharin gilt als unbedenklicher Süßstoff. Zwar verursachte die Substanz, in großen Mengen, in Tierversuchen mit Ratten Blasenkrebs, doch neuere Bewertungen der Studienergebnisse widerlegten die Gefahr für eine Krebsentstehung beim Konsum durch Menschen. Der künstliche Süßstoff Saccharin wird im Körper nicht verstoffwechselt und unverändert über das Nierensystem ausgeschieden. So gelangt der in großen Mengen eingesetzte Süßstoff ins Abwasser und das stellt laut einer 2009 in Deutschland durchgeführten Studie ein zunehmendes Umweltproblem dar.

Zuckeraustauschstoffe:
Zuckeraustauschstoffe sind süß schmeckende Verbindungen, meist Zuckeralkohole (Polyole), wovon die meisten nicht kariesfördernd sind. Der SCF (Scientific Committee on Food) bzw. die EFSA (European Food Safety Authority) hatten keine gesundheitlichen Bedenken gegen ihre Verwendung. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass Zuckeralkohole bei übermäßigem Verzehr zu osmotischem Durchfall führen können. Deshalb müssen Tafelsüßen und Lebensmittel, die mehr als 10 % dieser Süßungsmittel enthalten, den Hinweis tragen "kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken"

Beispiele:

Sorbitol (Sorbit): Wird in der Lebensmittelherstellung und in Kosmetika als Feuchthaltemittel eingesetzt und verhindert, dass die Zahncreme austrocknet. Er ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 420 mit Ausnahme von Getränken als Zusatz für fast alle Lebensmittel in beliebig hoher Menge zugelassen, obwohl aufgenommene Mengen von mehr als 50 g/Tag zu Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen führen können. Symptome einer Intoleranz können u. a. Diarrhoe, Meteorismus, Übelkeit oder Bauchschmerzen sein.

Xylitol (Xylit): Zuckeraustauschstoff mit kariostatischer und antikariogener Wirkung, verhindert also Karies. Darüber hinaus regt Xylit die Speichelproduktion an und fördert die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was zu einer Remineralisation von Zahnhartsubstanz führt. Xylit erhöht den pH-Wert im Mundraum, was für die Kalziumeinlagerung im Zahnschmelz Grundvoraussetzung ist. Auf einige Säugetiere, vor allem Hunde, wirkt Xylit dagegen toxisch. Xylit hat einen ähnlichen Geschmack und nahezu die gleiche Süßkraft (98 %) wie Saccharose. Bei Einnahme von mehr als 0,5 g Xylit pro kg Körpergewicht kann eine abführende Wirkung auftreten, welche nach Adaption des Organismus (nach 3–4 Wochen Gewöhnungszeit) verschwinden kann. Im Rahmen von Studien wurde die Einnahme von 200 g Xylit täglich problemlos vertragen. Bei Sorbitol besteht diese Anpassung nicht, daher wirkt Sorbitol immer abführend. Kann auch als Feuchthaltemittel verwendet werden.

Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E 966), Xylit (E 967), Erythrit (E 968) sowie Fructose, Inulin, Isomaltulose, Maissirup (High fructose corn syrup HFCS), Oligofructose, Stärkehydrolysat, Trehalose, Trehalulose



Inhaltsstoffe Gruppe 10: Farbstoffe
Für Farbstoffe sind die gültigen INCI-Bezeichnungen die so genannten Colour-Index-Nummern

Beispiele:

CI 16255 Cochenillerot A: In einigen Ländern wie USA, Norwegen und Finnland wird Cochenillerot als krebserregend eingestuft. In den USA ist der Einsatz in Lebensmitteln verboten. Auf Grund der chemischen Struktur (Azofarbstoff) besteht der Verdacht auf Auslösung von Pseudoallergien, besonders bei Personen, die empfindlich auf ASS oder Benzoesäure/Natriumbenzoat (E 210 bzw. E 211) reagieren. Es wird vermutet, dass Cochenillerot an der Auslösung von ADHS, Neurodermitis und Asthma bronchiale beteiligt sein könnte.

CI 75470 Echtes Karmin (E 120). Nicht vegetarisch

CI 77491 Eisenoxidrot, Lebensmittelfarbstoff: E 172

CI 77891 Titanium dioxide: Titandioxid (TiO2) ist als Lebensmittelzusatzstoff E 171 zugelassen und kann als weißes Farbpigment unter anderem als Weißpigment in Kosmetikprodukten wie z. B. Zahnpasta zum Einsatz kommen. Derzeit diskutieren Forschung und Öffentlichkeit über mögliche gesundheitliche Risiken, die durch die Aufnahme von Titandioxid entstehen können. Hintergrund sind mehrere neue Studien, die noch ausstehende Entscheidung zur Einstufung von Titandioxid als Gefahrstoff auf der Basis eines Vorschlags der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) Quelle .Bei der oralen Aufnahme von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff gilt derzeit laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), dass die verfügbaren Daten keine Hinweise auf Gesundheitsbedenken für Verbraucherinnen und Verbraucher geben. Eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI) lässt sich derzeit jedoch für den Zusatzstoff nicht ableiten, da insbesondere die Daten zur Reproduktionstoxizität nicht ausreichend bzw. adäquat sind.

Cl 74160 Kupferphthalocyanin ist eine chemische Komplex-Verbindung zwischen Kupfer und Phthalocyanin. Es ist ein blauer Feststoff, der in Form eines Pulvers oder metallisch glänzender Nadeln vorliegt.

CI 73360 Indanthrenbrillantrosa R: Der Thioindigo-Farbstoff wird in kosmetischen Produkten, wie beispielsweise Zahnpasta oder Lippenstifte verwendet, während er durch die deutsche Kosmetik-Verordnung in Haarfärbemitteln verboten ist. Bei Patientinnen, die ihre Lippenkonturen durch Permanent Make-Up mit diesem Pigment verändern ließen, traten entzündliche, streuende Sofortreaktionen auf.

Cl 13015 Echtgelb: ist ein Azorfarbstoff. Azofarbstoffe stehen im Verdacht ein krebserzeugendes Potential zu haben. Grund dafür ist die Ausgangsverbindung Anilin, aus der die meisten dieser Farbstoffe hergestellt werden.

Cl 15510 Orange, Azofarbstoff. Azofarbstoffe stehen im Verdacht ein krebserzeugendes Potential zu haben. Grund dafür ist die Ausgangsverbindung Anilin, aus der die meisten dieser Farbstoffe hergestellt werden. Sie stehen unter Verdacht Allergien und Pseudoallergien auszulösen und sollen eventuell auch am hyperkinetischem Syndrom (Zappelphillip) beteiligt sein, weswegen die EU-Kommission den oben genannten Warnhinweis für Lebensmittel mit Azofarbstoffen enthalten verpflichtend gemacht hat.

Mica: Trübungsmittel



Zahnpasta und Mikroplastik:
Viele Hersteller von Zahnfleisch- und Zahnpflegeprodukten haben den Einsatz von Mikroplastik in ihren Marken mittlerweile beendet. Die kleinen Mikroplastik-Teilchen dienten als Putzkörper.


Beipspiele:
Polyethylen PE, Polypropylen PP, Polyethylenterephthalat PET, Nylon-12, Nylon-12, Nylon-6, Nylon-6, Polyurethan PUR, Acrylates Copolymer AC, Acrylates Crosspolymer ACS, Polyacrylat PA, Polymethylmethacrylat PMMA, Polystyren PS, Polyquaternium PQ


Aktuell sind dem BUND vier Produkte bekannt, die noch Mikroplastik enthalten:

Firma
Produkt
Hersteller
Kunststoff
Beovita
Parodont Zahnfleischpflege-Gel
Beovita Vital GmbH
PE
Kukident
Professionell Haftcreme Med + Kamille
Reckitt Benckiser
Deutschland GmbH
PE
Kukident

Super Haftcreme Haftschutz
Reckitt Benckiser
Deutschland GmbH
PE

Signal
Whitening Pen White Now CC Touch
Unilever
AC



Eine Liste aller Kosmetika, in denen Mikroplastik nachgewiesen wurde findet ihr hier




Puh, wer es bis hierher geschafft hat, kann nun die Inhaltsstoffe seiner Zahnpasta selbst analysieren.  

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