Was ist drin in der Säuglingsmilch

Teil 1: Inhaltsstoffe von Säuglingsmilch

Viele haben die Ergebnisse von Öko-Test und Food watch sehr beunruhigt. Ich weiß, dass es für viele ein sehr sensibles Thema ist, da sie sich eh schon schlecht fühlen, weil sie ihrem Kind keine Muttermilch geben können. Dazu kommt, dass die Kinder oft nur eine bestimmte Sorte trinken. Wenn ich jetzt noch negativ über die Inhaltsstoffe genau dieser Ersatzmilch schreibe, will ich euch damit nichts Schlechtes. Es ist eher traurig, dass Firmen es einfach nicht gebacken bekommen, saubere Produkte herzustellen.






Hinweis: Trotz der Fortschritte bei der Zusammensetzung und Herstellung von Milchpulver reicht Säuglingsnahrung noch nicht annähernd an die gesundheitlichen Vorteile deiner Muttermilch heran. Wie folgende Auflistung zeigt, bietet Muttermilch die besten Inhaltsstoffe:


Quelle 



Bei den Säuglingsmilchnahrungen wird unterschieden zwischen Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen. Säuglingsanfangsnahrungen stellen die einzige Alternative zur Muttermilch dar (als alleinige Nahrung oder zum Zufüttern). Sie sind als „Pre“- und „1“-Nahrungen im Handel und eignen sich zur Fütterung im gesamten ersten Lebensjahr sowie von Geburt an.
Folgenahrungen sind als Ergänzung zur Beikost gedacht. Sie sind im Handel als „2“- oder „3“-Nahrungen zu erkennen. Über ihre Notwendigkeit sind sich die Experten allerdings uneins (DGE 2011 Säuglingsernährung).

Deshalb werde ich mich auch nur mit der Pre- (und 1-Nahrung beschäftigen).


Hinweis: ich beurteile hier lediglich die Inhaltsstoffe. Ich habe die Produkte weder getestet noch kann ich was zu ihrer Verträglichkeit sagen. Fragen diesbezüglich bitte an eure Hebamme oder euren Kinderarzt richten.




Das sagt das Gesetz:

Die Inhaltsstoffe in Säuglingsnahrung sind gesetzlich geregelt: Zusammensetzung, Rückstandshöchstmengen und Etikettierung von Säuglingsmilchnahrungen und sind innerhalb der Europäischen Union einheitlich geregelt. Die Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung) setzt diese EG-Richtlinie über Säuglingsmilchnahrungen in deutsches Recht um. Damit wird gewährleistet, dass alle in Deutschland zugelassenen Säuglingsmilchnahrungen, unabhängig von Marken und Preisen, einen im gesetzlichen Rahmen vorgeschriebenen Gehalt an Energie und Nährstoffen aufweisen.

Quelle: Europäische Kommission


Ab dem 22. Februar 2020 müssen alle Änderungen für Anfangs- und Folgenahrungen (delegierte Verordnung (EU) 2016/127) sowie für Säuglingsnahrungen für besondere medizinische Zwecke (delegierte Verordnung (EU) 2016/128) umgesetzt sein. Bis dahin dürfen Hersteller Produkte produzieren, die noch nicht den neuen EU-Standards entsprechen. Für Anfangs- und Folgenahrungen mit hydrolysiertem Protein gilt die Übergangsfrist bis 22. Februar 2021 (Europäische Kommission).



Inhaltsstoffe von Säuglingsmilch:

1.      Wasser (etwa 87%)

Das fügt ihr hinzu: Am besten frischen Trinkwasser/Leitungswasser. Trinkwasser aus Bleileitungen nicht verwendet. Trinkwasser aus Hausbrunnen sollte nur nach Bestätigung einer einwandfreien Wasserqualität verwendet werden. Bei ungeklärter Wasserqualität abgepacktes, stilles Wasser verwenden, das mit der Aufschrift „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ gekennzeichnet ist.


2.      Kohlenhydrate:

Funktion: Sie liefern Energie.

Das sagt das Gesetz:
  • Energie: Mindestens 250 kJ/100 ml (60 kcal/100 ml), höchstens 293 kJ/100 ml (70 kcal/100 ml)
  • Kohlenhydrate: Mindestens 2,2 g/100 kJ (9 g/100 kcal), höchstens 3,3 g/100 kJ (14 g/100 kcal)
  • Es dürfen nur folgende Kohlehydrate verwendet werden: Laktose, Maltose, Sachharose, Glukose, Glukosesirup oder getrockneter Glukosesirup, Malto-Dextrine, vorgekochte Stärke (von Natur aus glutenfrei), gelatinierte Stärke (von Natur aus glutenfrei).
  • Laktose muss mindestens 1,1 g/100 kJ (4,5 g/100 kcal) enthalten sein
  • Fructooligosaccharide (FOS) und Galactooiligosaccharide (GOS): dürfen Säuglingsanfangsnahrung zugesetzt werden. In diesem Fall darf ihr Anteil 0,8 g/100 ml in einer Kombination aus 90 % Oligogalactosyl-Lactose und 10 % Oligofructosyl-Saccharose mit hohem Molekulargewicht nicht übersteigen


 Stellungnahme BFR (Bundesamt für Risikobewertung) zum Thema GOS und FOS:

Aktuell gibt es nur wenig publizierte Daten über den klinischen Nutzen von präbiotisch aktiven Oligosaccharid-Zusätzen in Säuglingsnahrung. In einer Studie ging dosisabhängig die Verwendung von FOS und GOS in Säuglingsanfangsnahrung mit einer erhöhten Stuhlfrequenz und einer Reduktion des Stuhl pH-Wertes und der Stuhlkonsistenz bei Kleinkindern einher.“ (Quelle)



3.      Proteine (Eiweiße):

Funktion: Zum Aufbau von Gewebe
  • Carnitin (essentielle Rolle im Energiestoffwechsel beim Transport von Fettsäuren, eine Aminosäureverbindung ist erforderlich, um Fettsäuren als Energiequelle verwenden zu können)
  • Taurin (2-Aminoethansulfonsäure): Entwicklung des Zentralnervensystems und der Herzfunktion



Das sagt das Gesetz:
  • Mindestens 0,43 g/100 kJ (1,8 g/100 kcal), höchstens 0,6 g/100 kJ (2,5 g/100 kcal)
  • L-Carnitin: Der Gehalt an L-Carnitin muss mindestens 0,3 mg/100 kJ (1,2 mg/100 kcal) betragen
  • Taurin: Wenn Taurin Säuglingsanfangsnahrung zugesetzt wird, darf der Tauringehalt nicht größer als 2,9 mg/100 kJ (12 mg/100 kcal) sein
  • Cholin: Mindestens 6,0 mg/100 kJ (25 mg/100 kcal), höchstens 12 mg/100 kJ (50 mg/100 kcal)


Beispiele: in der Regel Kuhmilchprotein, Proteine aus Ziegenmilch, seltener Sojaprotein


4.      Fette/Fettsäuren:

Funktion: Es gibt gesättigte und ungesättigte Fettsäuren

Ungesättigten Fettsäuren:
Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren werden nach ihrer englischen Bezeichnung ("long-chain polyunsaturated fatty acids") als LC-PUFA oder LCP abgekürzt. LCP’s, insbesondere Arachidonsäure (kurz AHA, Omega-6-Fettsäure) und Docosahexaensäure (kurz DHA, Omega-3-Fettsäure) haben einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung von Gehirn, Zentralnervensystem und der Netzhaut des Auges, können aber vom Organismus nicht ausreichend selbst gebildet werden (Quelle).

Zitat: „Ungeborene und Babys benötigen ausreichende Mengen von LC-PUFA für die Entwicklung von Nervensystem und Sehvermögen.“ „Gesunde Babys sollten nach Möglichkeit Muttermilch erhalten. Wenn nicht gestillt wird, sollten mit LC-PUFA angereicherte Flaschennahrungen verwendet werden, deren Anteil an DHA zwischen 0,2 und 0,5 Prozent des Gesamtfettgehalts beträgt.“ (Quelle)

Das sagt das Gesetz:
  • Der Gehalt an trans-Fettsäuren darf 3 % des gesamten Fettgehalts nicht übersteigen
  • Linolsäure (Omega 6): Mindestens 120 mg/100 kJ (500 mg/100 kcal), höchstens 300 mg/100 kJ (1 200 mg/100 kcal)
  • Alpha-Linolensäure (Omega 3): Mindestens 12 mg/100 kJ (50 mg/100 kcal), höchstens 24 mg/100 kJ (100 mg/100 kcal)
  •  Docosahexaensäure (DHA): Mindestens 4,8 mg/100 kJ (20 mg/100 kcal), höchstens 12 mg/100 kJ (50 mg/100 kcal)
  • Weitere langkettige (20 und 22 Kohlenstoffatome) mehrfach ungesättigte Fettsäuren können zugesetzt werden. In diesem Fall darf ihr Anteil bei langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren höchstens 2 % (bei Arachidonsäure höchstens 1 % (20:4 n-6)) des gesamten Fettgehalts betragen.


!Anmerkung!
DHA und AHA können der Säuglingsmilch zugesetzt werden, viele Hersteller tun dies leider nicht. Warum sie ihr Produkt dennoch verkaufen können, auch wenn sie die gesetzlichen Konzentrationen nicht einhalten, ist mir ein Rätsel. Ökotest wertete alle Produkte, die dies tun ab.


5.      Mineralstoffe

Funktion: Sie haben viele verschiedene wichtige Aufgaben: Ob im Stoffwechsel, bei Wachstum oder Blutbildung, im Zusammenspiel von Nerven und Muskeln. So regulieren beispielsweise Natrium und Kalium den Wasserhaushalt unseres Körpers. Calcium sorgt für feste Knochen und Zähne. Eisen ist wichtig für die Blutbildung. Und Jod hält die Funktion der Schilddrüse aufrecht.

Das sagt das Gesetz: Ich habe nur getestet, ob alle erforderlichen Mineralstoffe enthalten sind, nicht ob sie auch in der richtigen Konzentration drin sind:

Quelle: Europäische Kommission

 

6.      Vitamine

Funktion: Vitamine sind organische Verbindungen, die der Organismus nicht als Energieträger, sondern für andere lebenswichtige Funktionen benötigt, die jedoch der Stoffwechsel nicht bedarfsdeckend synthetisieren kann. Vitamine müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, sie gehören zu somit zu den essentiellen Stoffen.

!Info!
Ein essentieller Stoff ist eine chemische Verbindung (oder ein chemisches Element), die für einen Organismus lebensnotwendig ist und die er nicht selbst aus anderen Nährstoffen wie Wasser, Fetten oder Aminosäuren synthetisieren kann.

Das sagt das Gesetz: Ich habe nur getestet, ob alle erforderlichen Vitamine enthalten sind, nicht ob sie auch in der richtigen Konzentration drin sind:

Quelle: Europäische Kommission

 

7.      Aminosäuren

Funktion: Sie sind die Bausteine von Proteinen (Eiweiß), dienen vor allem dem Aufbau von Körpergewebe und sind zudem die Endstufen des Eiweißabbaus. Essentielle Aminosäuren kann ein Organismus nicht selber herstellen, sie müssen daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Aminosäuren kommen in allen Lebewesen vor. 

Die folgenden acht Aminosäuren werden auch als „essentielle Aminosäuren“ bezeichnet und kommen in verschiedenen Lebensmitteln vor (Quelle):

Isoleucin
Valin
Methionin
Leucin
Tryptophan
Lysin
Phenylalin
Threonin

Das sagt das Gesetz: Ich habe nur getestet, ob alle erforderlichen Aminosäuren enthalten sind, nicht ob sie auch in der richtigen Konzentration drin sind*:

*Gilt für Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung, die aus Kuhmilch- oder Ziegenmilchproteinen hergestellt werden, sowie Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung, die aus Sojaproteinisolaten, pur oder als Mischung mit Kuhmilch- oder Ziegenmilchproteinen, hergestellt werden



Quelle: Europäische Kommission




8.      Nukleotide

Funktion: Nukleotide sind die Bausteine von Nukleinsäuren (RNA und DNA). Ein Nukleotid setzt sich aus einem Basen-, einem Zucker- und einem Phosphat­anteil zusammen.

Das sagt das Gesetz: Folgende Nukleotide können zugesetzt werden:

Quelle: Europäische Kommission




9. Bakterienkulturen

Sonderfall: (nicht in dem Gesetz aufgeführt, jedoch in einem Produkt entdeckt)
Lactobacillus reuteri soll antibiotisch wirkende Substanzen bilden und wird kommerziell als Probiotikum z.B. in der Geflügelhaltung genutzt. Das Bakterium, das in der Massentierhaltung zum Einsparen synthetischer Antibiotika dient, breitet sich nach entsprechender Einnahme auch recht schnell im menschlichen Verdauungstrakt aus und kann sich dort nicht nur im Darm, sondern auch im sauren Milieu des Magens halten.
L. reuteri steht seit 2018, nach einer Studie an genetisch veränderten Mäusen, unter dem Verdacht, vom Verdauungstrakt in die Leber migrieren zu können. Dort soll es die Autoimmunkrankheit systemischer Lupus erythematodes auslösen.

Stellungnahme BFR (Bundesamt für Risikobewertung) zu Lactobacillus reuteri:
Zusammenfassend ist die Datenbasis zur Bewertung der Sicherheit von L. reuteri DSM 17938-angereicherter Säuglingsnahrung begrenzt. In den bislang durchgeführten Studien mit gesunden Säuglingen wurden keine negativen Effekte auf das Wachstum der Säuglinge beobachtet. Allerdings traten in einigen Fällen unerwünschte Wirkungen und teilweise schwere Erkrankungen auf, deren ursächlicher Zusammenhang mit dem Einsatz von Probiotika weder belegt, aber auch nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Einschränkend ist weiterhin festzustellen, dass keine Langzeitstudien oder Nachuntersuchungen zu den Studien durchgeführt wurden. Daher sind weitere kontrollierte Studien mit ausreichend langer Studiendauer und Nachbeobachtung, unter Berücksichtigung der von internationalen Organisationen aufgestellten Kriterien für die Sicherheitsbewertung von Säuglingsnahrungen notwendig, um die Sicherheit des routinemäßigen Einsatzes von L. reuteri DSM 17938- angereicherter Säuglingsnahrung für gesunde Säuglinge zuverlässig bewerten zu können.“

Prävention von Durchfallerkrankungen: Keine hinreichende Evidenz für einen gesundheitlichen Nutzen der Verwendung von L. reuteri DSM 17938- angereicherter Säuglingsnahrung zur Prävention von Durchfallerkrankungen bei Säuglingen ableiten

Prävention von Koliken, Reflux und Verstopfung: keine hinreichenden wissenschaftlichen Belege dafür vor, dass eine L. reuteri DSM 17938-angereicherte Säuglingsnahrung bei gesunden Säuglingen das Risiko für Koliken, Reflux und Verstopfung verringert.




Zusammenfassung

Was MUSS rechtlich enthalten sein:

  • Energie
  • Mindestens 2,2 g/100 kJ (9 g/100 kcal) Kohlenhydrate
  • Proteine: L-Carnitin und Cholin
  • Essentielle Aminosäuren:
  • LCP‘s
  • Mineralstoffe
  • Vitamine


Was KANN rechtlich enthalten sein, muss aber nicht:

  • FOS und GOS
  • Taurin
  • Nukleotide



Was DARF rechtlich NICHT enthalten sein:

  • Sesamöl
  • Baumwollsaatöl
  • Pestizide
  • Mineralöl- oder Desinfektionsmittel-Rückstände sind hier nicht rechtlich festgehalten. Dazu mehr im nächsten Beitrag


Liste bekannter Hersteller (stand 09.11.2019)




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