Perfluorcarbone (PFCs) - Was sind PFCs und warum sind sie in unserer Kleidung?

PFC, PFCA, PFOS, PTFE... Was? Immer öfter liest man diese Abkürzungen. Doch was sind das für Abkürzungen und warum sind das Schadstoffe. Worin stecken diese und wie kann ich sie erkennen?


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Was ist PFC



Perfluorcarbone (PFC), auch perfluorierte Kohlenwasserstoffe oder Fluorcarbone genannt). PFC kommen nicht natürlich vor, sondern haben einen anthropogenen (vom Menschen hergestellt) Ursprung. Chemisch gesehen bestehen PFC aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Unter den mehr als 650 verschiedenen PFC sind die perfluorierte Oktansulfonsäure (PFOS) und die perfluorierte Oktansäure (PFOA, Bild 1) die bekanntesten Verbindungen.



Bild 1: Perfluoroctansäure (PFOA)




Verwendung

PFC werden aufgrund ihrer imprägnierenden Eigenschaften in unterschiedlichsten Produkten eingesetzt. PFC verleihen Outdoor- und Arbeitskleidung wie Jacken oder Schuhen wasser-, fett- und schmutzabweisende Eigenschaften. Auch zu finden in Imprägniersprays, Pappbecher, Pizzakartons oder in antihaftbeschichtetes Kochgeschirr (Teflon, PFOA) oder Fassadenfarbe.
Laut einer Untersuchung der Umweltschutzorganisation Greenpeace weisen 36 von 40 getesteten Outdoor-Artikeln teils hohe Konzentrationen von fluorierten Chemikalien auf (Quelle LINK). 

Lediglich in 4 Produkten wurden keine PFC gefunden (Liste weiter unten).


Problematik PFC

Sowohl bei der Herstellung als auch beim Tragen der Kleidung können die schädlichen Substanzen in die Umwelt gelangen, dort sind sie biologisch nicht abbaubar und reichern sich in Lebewesen an. Sie werden in Kläranlagen, in Gewässern, im Trinkwasser, in der Luft und sogar in Blut und Muttermilch nachgewiesen. Einige PFC können die Fortpflanzung schädigen und Krebs auslösen (Quelle Umweltbundesamt). Die Chemikalien stehen außerdem in Verdacht sich störend auf den Hormonhaushalt und das Immunsystem auszuwirken.

In animal studies, some long-chain PFASs have been found to cause liver toxicity, disruption of lipid metabolism and the immune and endocrine systems, adverse neurobehavioral effects, neonatal toxicity and death, and tumors in multiple organ systems.” (Quelle LINK)


Wie nehmen wir PFC auf

PFC werden bei ihrer Herstellung, der Herstellung PFC-haltiger Produkte und natürlich beim Gebrauch der Produkte freigesetzt. Wir nehmen PFC über die Luft, aus dem Wasser und über die Nahrung auf. Flüchtige PFC können eingeatmet werden. Stabile, wasserlösliche PFC gelangen über das Abwasser aus Haushalten und der Industrie in die Klärwerke und weiter in die Gewässer. Denn sie werden bei der Klärung nicht abgebaut. Einige PFC können mit dem Klärschlamm auch in Böden gelangen, dort versickern und das Grundwasser kontaminieren. Wenn das Wasser nicht mit speziellen Verfahren gereinigt wird, können die PFC auch in das Trinkwasser gelangen.

Der PFC-Skandal in Mittelbaden:
Wer aus dem Raum Baden-Baden und Rastatt kommt, kam in den Genuss von PFC. Aufgefallen waren die erhöhten PFC-Werte bei der Untersuchung von Blutspenden, die auf Grund der erhöhten PFC-Werte nicht verwendet werden konnten. Hier gelangte PFC über die Ackerflächen ins Grundwasser.

Interessante Links: 
-          Landkreis Rastatt
-          PFC Karte online



Einteilung der PFC



PFC sind sogenannte per- und polyfluorierte Verbindungen, die mit Fluoratomen sowie mit weiteren funktionalen Gruppen verknüpft sind. Sie werden in polymere und nicht-polymere PFCs unterteilt (Bild 2):

Nicht-Polymere PFC
Nicht-polymere PFC werden gemäß ihrer funktionalen Gruppen weiter unterteilt.
Beispiele: PFOA oder PFOS


Polymere
Nicht-polymere PFC können als Verunreinigungen auch in polymeren PFC enthalten sein, sie können aus den Polymerbausteinen oder aus Prozesshilfsstoffen stammen. Polymere PFC teilen sich in drei Gruppen auf: die sogenannten Fluorpolymere, die Polymere mit fluorierten Seitenketten undPerfluoropolyether.

Beispiele: PFTE (Markenname Teflon oder Gore-Tex)

Bild 2: Einteilung der PFCs (Quelle Umweltbundesamt)


Prominente Beispiele der PFC

PTFE
PTFE (Polytetrafkuorethylen) ist ein kälte-, wärme- und chemikalienbeständiges Kunststoff-Polymer und wird unter verschiedenen Handelsnamen Teflon oder Gore-Tex  u.a. für Antihaftbeschichtungen von Koch-, Brat- und Backgeschirr oder als Membranen in Outdoorkleidung verwendet. Markantes Kennzeichen von PTFE-beschichteten Pfannen, Backformen und sonstigem Kochgeschirr ist die leicht wachsartige Oberfläche. Die wasser- und fettabweisenden Eigenschaften verhindern ein Anhaften von Lebensmitteln, die in mit PTFE beschichtetem Kochgeschirr erhitzt werden. PTFE ist nicht brennbar.
Zur Herstellung einer PTFE-Antihaft-Beschichtung werden PTFE und verschiedene Hilfsstoffe (z. B. Emulgatoren, Farbmittel oder Füllstoffe) verwendet. Zu den Emulgatoren gehören auch per- und polyfluorierte Stoffe (zb. PFOA).
PTFE hat den Nachteil, dass es bei hohen Temperaturen (ab etwa 200 Grad) instabil wird und ab etwa 320 Grad giftige Dämpfe freisetzt.
BFR: Das BfR rät davon ab, beschichtete Koch-, Back und Bratgefäße leer zu überhitzen. Bei Temperaturen über 360 °C bilden sich giftige Dämpfe aus fluorierten Verbindungen und Partikeln. Krankheitsfälle sind bisher nur aus der industriellen Fertigung von PTFE und nicht aus Privathaushalten bekannt. Fluorierte Stoffe können aus beschichtetem Koch-, Back- und Backgeschirr, insbesondere wenn es überhitzt worden ist, freigesetzt werden. Ein Übergang ins Lebensmittel kann nach aktuellem Wissensstand nicht ausgeschlossen werden. Dem BfR liegen keine Daten vor, die zeigen würden, dass auf dem Markt erhältliches mit PTFE beschichtetes Koch-, Back- und Bratgeschirr unter normalen Verwendungsbedingungen (keine Überhitzung) fluorierte Chemikalien in Mengen an Lebensmittel abgibt, die geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu gefährden. (Quelle LINK)

PFOS
PFOS wurde bereits wegen der persistenten, bioakkumulierenden und toxischen Eigenschaften als langlebiger organischer Schadstoff (POP, persistent organic pollutant) identifiziert und somit in den Anhang B der Stockholmer Konvention aufgenommen. Bis auf wenige Ausnahmen darf PFOS weder hergestellt noch verwendet werden.

PFOA
PFOA ist genau wie PFOS nicht abbaubar, reichert sich in Organismen an und ist toxisch. PFOA bindet an Proteine im Blut und reichert sich so in Blut, Niere, Leber und anderen Organen an. PFOA wird als Hilfsstoff in der PTFE-Herstellung verwendet, wobei manche Fluorpolymerhersteller PFOA bereits ersetzt haben.

Achtung: Beim Hinweis „PFOA-frei“ handelt es sich „nur“ um einen Teilverzicht auf Fluorcarbone – denn PFOA (Perfluoroctansäure) ist lediglich eine, wenn auch besonders brisante, Verbindung dieser Gruppe. Bedeutet, dass all die 100 anderen PFC-Verbindungen trotzdem enthalten sein können.



PFC in Erzeugnissen erkennen


Mit der App Scan4Chem (Links zum App-Store oder Google play HIER) könnt ihr Produkte über ihren Strichcode erfassen (oder auch Produktnummer oder Produktnamen) und euch so nach möglichen besorgniserregenden Stoffen erkundigen.


Die Anfrage wird automatisch an den Hersteller oder Händler geschickt. Innerhalb von 45 Tagen muss der Hersteller antworten (Quelle LINK). Bleibt die Antwort aus, sollte man nachhaken und den Vorfall einer zuständigen Kontrollbehörde im eigenen Bundesland melden. Dem Hersteller droht dann ein Bußgeld.

 „Lieferanten“ sind gemäß EU Chemikalienverordnung REACH Hersteller, Importeure, Händler oder andere Akteure in der Lieferkette. Unter „Erzeugnis“ versteht REACH i.d.R. feste Gegenstände wie Möbel, Spielzeug, Textilien, Sportartikel, Fahrzeuge etc. (ausgenommen sind Kosmetika, Waschmittel oder Lacke). 

Mehr Informationen hier: AskREACH


PFC freie Produkte

PTFE freie Alternativen (Pfannen):
  • Schmoren, langsames Braten, schonend garen: Edelstahl (speichert die Wärme gut)
  • Häufige Schmorgerichte: Schmorpfanne aus Eisen, Gußeisen (Le Creuset, Manufactum, Gerti Gundel)
  • Kurze Hitze, Braten, gezielte Wärmezufuhr: Kupfer oder Keramik(-Beschichtung). Keramikbeschichtung hält allerdings nicht allzu lange (Gerti Gundel, Greenpan)

Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, dem empfehle ich diesen Pfannen-Guide hier von Springlane.de


PFC freie Produkte/Marken (Schuhe)



PFC freie Produkte/Marken (Kleidung)
  • Paramo (Quelle LINK)
  • Puya
  •  Fjällräven
  • Vaude (Greenpeace-Studie)
  • Jack Wolfskin (Greenpeace-Studie)
  • Trollkids (Quelle LINK)
  • Deuter (Quelle LINK)

Mehr PFC freie Produkte findet ihr hier


Nützliche Links



Mein Fazit


PFCs sind sowohl Gesundheits- als auch Umweltschädlich. Mittlerweile gibt gute Alternativen, die ebenfalls wasserabweisend sind. Es fehlt einfach noch viel an Aufklärung (nicht bei den Herstellern, die wissen bescheid, ändern aber nichts).
Scannt, scannt, scannt mit der App (Scan4Chem): nur so sind die Hersteller gezwungen was zu ändern!

Wer PFC-freie Produkte findet, darf sie hier gerne in die Kommentare packen, dann werde ich die Liste oben erweitern


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