Lebensmittelkontaktmaterialien - Teil 1 Kindergeschirr

Wir alle benutzen sie jeden Tag: Lebensmittelkontaktmaterialien. Wir kochen damit, wir trinken daraus, wir essen davon. Doch viele der Lebensmittelkontaktmaterialen können schädliche Stoffe enthalten, die unter Umständen in unsere Lebensmittel übergehen können. Und gerade jetzt, wo alle nach Alternativen für ihre Plastikprodukte suchen, greifen viele zu Bambus, Melamin oder Edelstahl. Doch Vorsicht. Der Schein trügt. Auch diese Materialien können bedenkliche Stoffe an unsere Lebensmittel abgeben.











Unter Lebensmittelkontaktmaterialien versteht man alle Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen, wie Verpackungen und Behälter, Küchenutensilien und Küchengeräte, Besteck und Geschirr. Diese können aus einer Vielzahl von Materialien bestehen, wie Polyethylen, Polypropylen, Polycarbonat, Melamin, Bambus, Edelstahl, Glas, Keramik, Email oder Porzellan (Quelle). 



Teil 1: Kindergeschirr:
  1. Melaminharz
  2. Bambus
  3. Silikon
  4. Biokunststoffe
Teil 2: Lebensmittelaufbewahrung
  1. Glas (folgt)
  2. Edelstahl (folgt)
  3. Kunststoff (folgt)
  4. Aluminium (folgt)
Teil 3: Küchengeräte
  1. Teflon (folgt)
  2. Email (folgt)
  3. Keramik. Porzellan und Steingut (folgt)
  4. Holz (folgt)



1. Melaminharz


Anwendungsbeispiele:



Küchenutensilien wie Teller, Schalen, Tassen, Kochlöffel oder Suppenkellen.







Herstellung:


Melamin ist Ausgangsstoff für die Herstellung von Melaminharzen, die aufgrund ihrer Bruchsicherheit häufig in Camping- und Kindergeschirr eingesetzt werden.  Melaminharze sind Polymere und bestehen aus den Grundbausteinen (Monomeren) Melamin und Formaldehyd. (Quelle)  


Melamin

Formaldehyd

Aus Melamin und Formaldehyd entsteht ein Polymer: das Melamin-Formaldehyd-Harz (Gestrichelte Linien deuten die Fortsetzung des Makromoleküls an).



Problematik:

Erhitzt man Melaminharz über 70 °C können die Monomere Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden. Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sowie Untersuchungsergebnisse der Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer zeigen, dass bei höheren Temperaturen die gesetzlichen Grenzwerte für den Übergang von Melamin und Formaldehyd aus den Produkten in Lebensmittel überschritten werden. Dies geschieht insbesondere bei 100 °C, dem Erreichen der Siedetemperatur von Wasser.
Folgen: Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sind in Tierexperimenten durch Melamin toxische Wirkungen an der Blase aufgetreten. Formaldehyd ist haut- und schleimhautreizend und kann nach dem Einatmen Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen. Außerdem ist Formaldehyd als Allergen für Atemwege und Haut bekannt.

Zitat Verbraucherzentrale: „Um zu verhindern, dass gesundheitsgefährdende Mengen an Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel übergehen, hat der Gesetzgeber Grenzwerte festgelegt […] Bei Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen und der sachgemäßen Verwendung der Küchenutensilien kommt es nicht zur Überschreitung dieser Werte. Das wesentliche Problem liegt jedoch darin, dass es leicht zu fehlerhaftem oder unsachgemäßem Gebrauch des robust wirkenden Geschirrs kommen kann, zumal Verbraucherinnen und Verbrauchern gar nicht bewusst ist, mit welchem Material sie arbeiten. So kann es passieren, dass ein bunter Becher aus Melamin dazu benutzt wird, in der Mikrowelle Milch oder Kakao zu erwärmen oder ein Speiserest auf einem Melaminteller zum Erwärmen in die Mikrowelle gestellt wird. Auch gibt es immer noch Kochlöffel oder Pfannenwender aus Melamin, die für die vorgesehenen Zwecke höchsten wenige Sekunden geeignet sind. Hinzu kommt, dass die Kennzeichnung zur sachgemäßen Verwendung häufig fehlt oder schlecht lesbar ist. Melamingeschirr ist ein Essgeschirr, aber kein Kochgeschirr (Quelle).


Entsorgung:

Material, was den Vorteil hat, langlebig zu sein, hat meist den Nachteil, dass es auf Grund der Langlebigkeit nur schwer ökologisch abbaubar ist oder nur schwer recycelbar. So auch der beständige Melaminharz-Kunststoff. Normalerweise wird reines Plastik im Recyclingprozess zerkleinert und dann unter Hitze umgeformt. Melamin-Kunststoff kann zwar zerkleinert werden, dann aber nicht mit Hitze umgeformt werden. Es bleibt nur die Möglichkeit energetisch zu recyceln– also zu verbrennen.
Geschirr aus dem Hartkunststoff Melamin ist keine Verkaufsverpackung, deshalb nicht über den Gelben Sack entsorgen, sondern in den Restmüll (Quelle).


Mein Fazit:

Zum kalten Abendessen kann es ohne Bedenken verwendet werden. Keinen heißen Tee in die Tasse geben oder heißes Essen darauf tun. Nicht für saure, fettige oder salzige Speisen (Obst oder Soßen) verwenden, da Säuren, Fett und Salz ebenfalls Melamin oder Formaldehyd lösen können.
 „Eine Verwendung von Melaminharzen bei Raumtemperatur und bis zu Temperaturen von 70 °C – das entspricht den Bedingungen, die z. B. beim Einfüllen heißer Getränke oder Speisen in Tassen, Teller oder Schüsseln auftreten – kann jedoch als gesundheitlich unbedenklich betrachtet werden.“
Auch wenn das BFR dies als unbedenklich ansieht, würde ich nur für kalte Brotmahlzeiten verwenden. Wer im Besitz dieses Geschirrs ist, sollte dies dann auch so lange es geht verwenden, da es nicht recycelbar ist. Am besten zu anderen Alternativen greifen.



2. Bambus


Anwendungsbeispiele:

To-Go-Becher, Kindergeschirr, Schüsseln, Besteck


Herstellung:

Bambus-Geschirr besteht laut vieler Hersteller hauptsächlich aus gemahlenem Bambus und Maismehl. Materialprüfungen ergaben jedoch, dass dieses Geschirr mit teilweise hohen Zugaben von Melaminharz als Bindemittel versetzt wurde und dadurch weniger ökologisch ist, als behauptet. Ob bedenkliche Stoffe enthalten sind, und wie hoch der Bambusanteil an den Produkten ist, können Verbraucher meist nicht erkennen, da es keine Kennzeichnungspflicht gibt. Recycelbar sind diese Produkte wegen ihres hohen Kunststoffanteils deshalb nicht.


Problematik:

Öko-Test hat Bambus-Kindergeschirr getestet. Bei zehn der untersuchten Proben wurde die Produktbezeichnung bzw. die Aufmachung als irreführend eingestuft. Der Verbraucher kann nur schwer oder gar nicht erkennen, dass die Produkte (Bambooware) größtenteils aus Kunststoff (Melamin-Formaldehyd-Harz, Melaware) bestehen und eben nicht reine Naturprodukte aus Bambus sind. Demnach gilt hier die gleiche Problematik wie bei Produkten aus Melaminharz. Versuche des BFR haben gezeigt, dass die Melamin- und Formaldehyd-Freisetzung bei „Bambooware“ sogar viel höher ist als bei „Melaware“ (Quelle). Demnach gilt hier eine besondere Vorsicht bei der Verwendung:
“Die technische Eignung von „Bambooware“ mit hohem Füllstoffanteil ist für den direkten Kontakt mit Heißgetränken nach Ansicht der Kommission nicht gegeben (BFR).“


Entsorgung:

Hier gilt die gleiche Regelung wie bei Produkten aus Melaminharz. Durch die Zugabe von Kunststoffen kann es nicht recycelt werden. Die Entsorgung bedeutet (z.B. bei Bambusbechern) immer „thermische Verwertung“, also Verbrennung in der Müllverbrennungsanlage. Sie sind Restmüll.


Mein Fazit:

Auch hier würde ich das Geschirr nur für kalte Speisen verwenden. Im Falle des To-Go-Bechers rate ich davon ab. Ich habe im Tagesspiegel ein gutes Statement dazu gefunden:
„Ökologisch sinnvoll sind sie also dann, wenn sie lange halten, oft wiederbefüllt und am Ende sachgerecht entsorgt werden. Wie es dann mit der Schadstoffproblematik aussieht, hat die Stiftung an jenen Waren aber gar nicht getestet. Es ist also möglich, dass Melamin und Formaldehyd mit der Zeit weniger freigesetzt werden. Aber auch, dass über viele Verwendungszyklen und mit zunehmender Abnutzung des Materials die Werte sogar steigen könnten, ist nicht auszuschließen. Wer seinen Becher schon 50 Mal verwendet hat, weiß […], dass er oder sie Umwelt und Klima einen Dienst erwiesen hat. Aber jene umweltbewusste Person weiß nicht, was sie jeden Morgen mittrinkt.“
Um also Der Umwelt und sich selbst einen Dienst erweisen will, greift zu einer anderen Alternative (Edelstahl oder Glas). 


3. Silikone


Anwendungsbeispiele:



Kindergeschirr, Schüsseln, Besteck, Babyflaschen, (Schnuller)





Herstellung:



Silikone kommen nicht in der Natur vor. Ausgangsmaterial ist das chemische Element Silizium, von dem es enorm viel gibt, etwa in Sand, Ton oder anderen keramischen Materialien. Silikon-Polymere bestehen aus einzelnen Siloxaneinheiten, die durch Erhitzen polimerisiert (zusammengekettet) werden. Je nachdem, welche Siloxaneinheiten man einsetzt, erhält man unterschiedliches Silikon (Silikonöle, Silikonfett, Silikonkautschuk, Silikonelastomere).


Silikonharz mit R = CH3, H oder OH


Problematik:

Silikonprodukte können giftige zinnorganische Verbindungen, welche bei der Herstellung zum Einsatz gekommen sind, enthalten (bei anderen Silikonprodukten wie Sexspielzeug ist das leider immer wieder Thema). Silikone können ebenso polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen viele als krebserregend gelten (Naphtalin in Silikonschnullern gefunden)

Öko-Test rät: „Wichtig ist das „Tempern“. Es sorgt dafür, dass das Endprodukt möglichst frei von flüchtigen organischen Bestandteilen ist, die ins Kochgut übergehen können. Empfohlen wird, die Formen vier Stunden bei 200 Grad ausgasen zu lassen. Eine aufwendige Prozedur, die sich offenbar manche Hersteller auch sparen. Wer sicher sein möchte, lässt die Formen vor dem ersten Mal im eigenen Backofen ausgasen. Dabei gut lüften.“ (Quelle)


Entsorgung:
Silikone und Silikonöle (in Shampoo oder Kosmetika) gehören zudem zu den biologisch schwer abbaubaren Kunststoffverbindungen. Der Einsatz einiger in dieser Hinsicht besonders kritischer Silikone ist deshalb ab 2020 europaweit in abwaschbarer Kosmetik beschränkt. Sie sind nicht recycelbar und gehören in den Restmüll.

Mein Fazit:
Ich würde keine billigen Silikonprodukte im Internet oder im 1-Euro-Laden kaufen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte seine Produkte vorher „tempern“ oder auf getestete Produkte zurückgreifen.



4. Biokunststoffe

Biokunststoff oder Bioplastik (englisch bioplastics) ist die Bezeichnung für
  • einen Kunststoff auf der Basis nachwachsender Rohstoffe (Bio-basierter Kunststoff)
  • einen Kunststoff, der biologisch abgebaut wird (Biologisch abbaubarer Kunststoff)

Biokunststoffe sind also biologisch abbaubar, biobasiert oder beides. Hier eine kurze Übersicht der Biokunststoffe:

Materialien
Herkunft / Ende der Lebensdauer
Ressourcen
Anwendungen
BioPET, BioPE, BioPA…
20 bis ≈ 100 % biobasiert, nicht biologisch abbaubar und nicht kompostierbar

Zuckerrohr, Melasse, Pflanzenöle
Alle Verpackungsarten, technische Teile…
PLA
≈100% biobasiert und 100% biologisch abbaubar und kompostierbar
Stärke (Mais), Zuckerrohr, Zuckerrüben, Tapioka, etc.
Lebensmittelverpackungen (Schalen, Folien, Becher…), Kosmetik, Spritzteile, Biokomposite…

PHA
≈100 % biobasiert und 100 % biologisch abbaubar und kompostierbar

Stärke (Mais), Zucker (Zuckerrohr, Rüben), Biomasse
Biokomposite, Spritzteile, Verpackungsfolien …
Biopolyester
Teilweise biobasiert und  100 % biologisch abbaubar und kompostierbar

Zuckerrohr, Stärke, etc.
Beutel, Mulchfolien, Flakons, Spritzteile…
Cellulosederivate
Überwiegend biobasiert, können biologisch abbaubar und kompostierbar sein

Holzstoff
Lebensmittelverpackungen (Folien), Spritzteile…
Bioelastomere
Teilweise biobasiert und/oder 100 % biologisch abbaubar und kompostierbar
Verschiedene biobasierte Polyole (Pflanzenöle, Zucker…)

Hauptsächlich technische Teile und Spritzteile
Compounds auf Stärkebasis
Teilweise biobasiert, können biologisch abbaubar und kompostierbar sein

Stärke (Mais, Kartoffeln, etc.), Mehle
Beutel, Mulchfolien, Gartenbau…
Biokomposite
Teilweise biobasiert, können biologisch abbaubar und kompostierbar sein
Holzfasern, Hanf, Flachs, Bambus und bioplastische oder konventionelle Matrix
Hauptsächlich technische Teile und Spritzteile

a) Bio-basierter Kunststoff

Anwendungsbeispiele:

Geschirr, Medikamentenkapseln, Playmais, Verpackungen


Herstellung:

Biobasiert heißt, das Material oder Produkt ist (teilweise) aus Biomasse (Pflanzen oder Tiere) erzeugt worden. Als Ausgangsstoffe für biobasierte Kunststoffe dienen aktuell vor allem Stärke und Cellulose als Biopolymere von Zuckern, mögliche Ausgangspflanzen sind stärkehaltige Pflanzen wie Mais oder Zuckerrüben sowie Hölzer, aus denen Cellulose gewonnen werden kann.
Der Anteil der erneuerbaren Rohstoffe am Gesamtprodukt ist nicht definiert. Da immer Zusätze wie Gleitmittel und Stabilisatoren enthalten sind, können Bio-Kunststoffe nicht zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden.
Mit einem Marktanteil von etwa 80 Prozent bildet thermoplastische Stärke den derzeit wichtigsten und gebräuchlichsten Vertreter der biobasierten Kunststoffe. Die wichtigsten Pflanzen, die zur Gewinnung von Stärke genutzt werden, sind aktuell Mais, Weizen und Kartoffeln.

Amylose-Monomer


Aus mehreren Amylose-Monomeren entsteht mit Hilfe von Wasser, Hitze und Schwerkräften das Amylosepolymer (thermochemische Verkleisterung)


 Problematik:

Vorteil: Biobasierte Kunststoffe schonen die knappen Erdölreserven, Herstellung und Entsorgung sparen CO2. Diese Produkte haben dieselben Eigenschaften wie die aus herkömmlichem Kunststoff, sie sind genauso stabil und genauso lange haltbar.
Nachteil: Ihre lange Haltbarkeit ist auch ein immenser Nachteil – sie sind für die Meere und die Umwelt insgesamt genauso schädlich wie andere Kunststoffe auch. Biobasierte Kunststoffe sind häufig nicht biologisch abbaubar. Der Anbau der Rohstoffe ist aufwändig und energieintensiv, zudem wird in der industriellen Landwirtschaft gedüngt und mit Pestiziden gearbeitet.


Entsorgung:

Gelbe Tonne, nicht Biomüll.

Es gibt biobasierte Kunststoffe, welche dieselbe chemische Struktur aufweisen wie ihre fossilbasierten Pendants. Daher können sie genauso recycelt werden wie diese. Ein Beispiel sind PET-Flaschen mit biobasierten Anteilen, welche gemeinsam mit herkömmlichen PET-Flaschen recycelt werden.
Für biobasierte Kunststoffe, welche nicht dieselbe chemische Struktur aufweisen wie fossilbasierte Kunststoffe, ist es schwieriger. Zwar sind viele davon thermoplastisch verformbar, was eine wichtige Voraussetzung für das Recycling ist. Allerdings sind Sortieranlagen zum Beispiel für Leichtverpackungen aus dem gelben Sack / der gelben Tonne nicht auf die Sortierung dieser Kunststoffe ausgelegt. Außergewöhnliche Kunststoffe landen daher meist in der energetischen Verwertung (Quelle: Umweltbundesamt).


Mein Fazit:

Biobasierte Kunststoffe hinterlassen einen minimal besseren ökologischen Fußabdruck als die nicht biobasierten. Die Auswirkungen verschieben sich eher: Während fossilbasierte Kunststoffe mehr klimawirksames CO2 freisetzen, äußert sich der ökologische Fußabdruck biobasierter Kunststoffe in einem größeren Flächenbedarf. Grund ist die landwirtschaftliche Produktion der Rohstoffe. Es kann zu Konkurrenz um Flächen mit der Lebensmittelproduktion kommen oder Ausgleichs- und Waldflächen können weniger werden.
Außerdem entsteht dennoch nicht abbaubares Mikroplastik oder Plastikmüll. Daher macht es für mich kaum einen Unterschied ob bio oder nicht bio.


b. Biologisch abbaubarer Kunststoff

Biologisch abbaubare Kunststoffe müssen nicht unbedingt aus nachwachsenden pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen hergestellt sein. Es gibt auch Kunststoffe aus fossilen Ressourcen, die biologisch abbaubar sind.
Biologisch abbaubare Kunststoffe oder bioabbaubare Kunststoffe bestehen aus Polymeren, die durch Mikroorganismen wie Pilze oder Bakterien, mittels Enzymen unter bestimmten Bedingungen zersetzt werden können. Abbaubarkeit bedeutet, in wässrigen Medien müssen 90 % des organischen Materials in 6 Monaten in CO2 umgewandelt werden oder nach 12 Wochen Kompostierung dürfen nicht mehr als 10 % Rückstände bezogen auf die Originalmasse in einem 2 mm Sieb zurückbleiben.

Anwendungsbeispiele:

Beutel, Verpackungen


Herstellung:

Biologisch abbaubare Kunststoffe lassen sich aus einer Vielzahl pflanzlicher Rohstoffe herstellen. Neben Zellulose und Zucker nimmt vor allem Stärke eine Schlüsselposition ein (wie auch bei den Bio-basierten Kunststoffen).


Problematik:

Vorteil: Biobasierte Kunststoffe schonen die knappen Erdölreserven, Herstellung und Entsorgung sparen CO2. Diese Produkte haben dieselben Eigenschaften wie die aus herkömmlichem Kunststoff, sie sind genauso stabil und genauso lange haltbar.
Nachteil: Ihre lange Haltbarkeit ist auch ein immenser Nachteil – sie sind für die Meere und die Umwelt insgesamt genauso schädlich wie andere Kunststoffe auch. Biobasierte Kunststoffe sind häufig nicht biologisch abbaubar. Der Anbau der Rohstoffe ist aufwändig und energieintensiv, zudem wird in der industriellen Landwirtschaft gedüngt und mit Pestiziden gearbeitet.


Entsorgung:
Bei der Kompostierung zerfallen viele biologisch abbaubare Kunststoffe nur unter den definierten Bedingungen von industriellen Kompostierungsanlagen. Auf den Komposthaufen zu Hause sollten sie nicht geworfen werden, da hier andere Feuchte- und Temperaturbedingungen herrschen und sie sich dort nicht oder nur mit einer deutlich längeren Zerfallszeit zersetzen. In der Regel entstehen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen auch keine wertvollen Bodenbestandteile, sondern es findet lediglich ein Abbau zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser statt. Aus den gesammelten Bioabfällen wird Düngemittel für die Landwirtschaft oder z.B. Kompost als Grundlage für Blumenerde hergestellt. Hierfür sind Kunststoffe, auch wenn sie biologisch abbaubar sind, nicht geeignet.
Deshalb bitte in den gelben Sack und nicht in die Biotonne oder Komposthaufen.


Mein Fazit:

Werden die abbaubaren Kunststoffe nicht richtig entsorgt und landen statt in der Kläranlage im Fluss oder Meer brauchen sie zum Verrotten genauso lange wie herkömmliche Tüten – und sind damit genauso schädlich und gefährlich für die Tierwelt.

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