Was ist Plastik



Plastik ist allgegenwärtig. Viele von euch beschäftigen sich damit, es aus ihrem Leben zu verbannen. Doch was ist Plastik genau, wo versteckt es sich und warum sind manche Plastik-Arten bedenklich oder sogar gesundheitsschädlich?

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Was ist Plastik: 

Verzeiht mir, ich bin kein Polymerchemiker, ich schreibe aus der Sicht einer Biologin, die sich so durch die organische Chemie im Studium gekämpft hat.


Mit dem Sammelbegriff Kunststoffe (umgangssprachlich Plastik) werden verschiedene, künstlich hergestellte organische Stoffe bezeichnet, die aus Polymeren bestehen. Ein Polymer ist eine chemische Verbindung, die aus linearen (unverzweigten) oder verzweigten Makromolekülen besteht, die wiederum aus gleichen oder gleichartigen Grundeinheiten (den sogenannten Monomeren) bestehen, die sich stets wiederholen.

Kurz: Verbindet man viele Monomere entsteht ein Polymer

Kunststoffe bestehen, wie auch die Naturstoffe, im Wesentlichen aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff.


Beispiel: Polyethylen PE, Grundeinheit C2H4

AUs 2 Ethen Monomeren entsteht ein langkettiges Polyethylen (Quelle)


Einteilung der Kunststoffe: 

Polyethylen ist der weltweit mit Abstand am häufigsten verwendete (Standard)-Kunststoff und wird in erster Linie für Verpackungen verwendet. Es gibt aber auch natürliche Polymere (Naturstoffe) wie unsere DNA oder Cellulose, die aus den gleichen Grundbausteinen wie die künstlichen Polymere (Kunststoffe)  bestehen. Anders als Naturstoffe lassen sich jedoch viele Kunststoffe unter Wärme und Druck schmelzen und verformen. 

Teilt man die Kunststoffe also  nach ihrem mechanisch-thermischen Verhalten ein, gibt es folgende Kunststoffgruppen: 




1. Thermoplaste: 

Thermoplastische Kunststoffe bestehen aus unvernetzten Polymeren, die man wieder einschmelzen und aufbereiten kann. 

Beispiele: ABS, PA, PB, PLA, PMMA, PC, PET, PE, PP, PS, PEEK, PVC, 

Recycelt ihr diese Stoffe richtig, kann das lange vernetzte Polymer wieder in seine kleinsten Grundeinheiten auftrennen um sie dann später wieder zu einem neuen Polymer zu verbinden. Das funktioniert allerdings nur, wenn ihr sie richtig entsorgt und vor allem trennt. Bedeutet, wenn ein Produkt aus verschiedenen Thermoplasten besteht, müssen die beim Wegwerfen von einander getrennt werden.
Ihr erkennt die Art von Thermoplaste am Recycling-Dreieck in Kombination mit der Recycling Nummer. Bei Verpackung findet ihr den Code und die Nummer meist unten am Boden oder auf dem Aufkleber.


2. Elastomere:

Sind die Polymere locker untereinander vernetzt, handelt es sich um Elastomere. Beispiele sind Autoreifen oder Gummibänder. Ihre Vernetzung ist nicht reversibel, kann also nicht rückgängig gemacht werden. 

Beispiele: CR, CMS, EPDM, FPM, FKM/FFKM, IIR, MVQ, VMQ, NBR, SBR


3. Duroplaste

Duroplastische Kunststoffe besitzen im Gegensatz zu den Elastomeren und thermoplastischen Kunststoffen eine eng­maschig vernetzte, makromolekulare Struktur (Bild oben). Dies führt dazu, dass diese Kunststoffe in der Regel hart, spröde und nicht mehr schmelzbar sind. Die Vernetzung ist also nicht reversibel. 
Da Duroplaste sich in der Wärme nicht verformen, sind sie recht temperaturbeständig. Daher eignen sie sich gut als Topf- und Pfannengriffe, als Bremsbeläge für Autos, als Steckdosen oder als Gehäuse für elektrische Geräte (Föhn).





Vernetzende Kunststoffe wie Duroplaste und Elastomere lassen sich nur schwer werkstofflich recyceln, d.h. sie können nicht einfach erneut eingeschmolzen und erneut verwendet werden. Vielfach werden diese Kunststoffe klein gemahlen (zB. Feinmehl aus Elastomeren) und als Füllstoffe für weitere Anwendungen genutzt.


4. Silikon

Silikon ist eine Sonderform der Kunststoffe, da es zwar ein anorganisches Gerüst hat (und kein Kohlestoff) dafür aber organische Reste. Es ist also ein Hybrid-Polymer. 


Reines Silikon ist nach heutigem Wissensstand ungiftig. Anders als die meisten Kunsstoffe kommt es zudem ohne Weichmacher aus, hält sehr hohen und niedrigen Temperaturen stand, ist reißfest, UV-beständig, wasserabweisend und lange haltbar.Die lange Haltbarkeit des Silikons bedingt allerdings auch, dass es schwer biologisch abbaubar ist und sich in der Umwelt beispielsweise im Gewebe von Fischen anreichert. Wenn sie richtig entsorgt, sind Silikonprodukte jedoch gut recycelbar.


Problematik Plastik

Plastikmüll zerstört den Lebensraum vieler Arten und ist aufgrund seiner giftigen Inhaltsstoffe für die Gesundheit von Mensch und Tier gefährlich. Problematisch sind besonders nicht recycelbare Plastikgemische und Mikroplastik, das sich von vielen synthetischen Kleidungsstücken ablöst und immer noch in zahlreichen Kosmetikprodukten zu finden ist.




Polyethylenterephthalat (PET):

Beispiel: Getränkeflaschen oder Polyesterfasern

PET gibt mit der Zeit gesundheitsschädigendes Acetaldehyd, Antimontrioxid und sogar hormonell wirksame Stoffe in die Flüssigkeit ab.
BFR hat die aktuellen Studienergebnisse so kommentiert:
Grundsätzlich sollte aus Sicht des BfR keine hormonartige Wirkung von Mineralwasser ausgehen. Daher hält es das BfR für wichtig, die möglichen Eintragspfade aufzudecken und die Substanzen, die die hormonelle Wirkung hervorrufen, zu analysieren und entsprechend zu minimieren oder zu beseitigen. Eine Herkunft der Substanzen aus PET-Flaschen ist aufgrund der vorliegenden Daten nicht anzunehmen.

Polyethylen high density (PE-HD)

Beispiel: Shampoo-Flasche

Geringe Problematik:
Polyethylen enthält keine Weichmacher und lässt sich einfacher recyceln als anderes Plastik. Allerdings werden manchmal Weichmacher mit dazugemischt. Bei der Herstellung von Polyethylen werden weniger Ressourcen benötigt. Die meisten PE-Verbindungen können zu Kohlendioxid und Wasser verbrannt werden, ohne dass schädliche Gase entstehen. Dafür müssen sie jedoch korrekt recyvelt werden.


Polyvinylchlorid (PVC)

Beispiele:
Hart-PVC: Abflussrohre
Weich-PVC: Bodenbeläge, Kinderspielzeug, Schläuche, Kunstleder, Schwimmreifen
Der Ausgangsstoff für PVC, Vinylchlorid, kann beim Menschen Krebs erzeugen und wirkt erbgutverändernd. Auch andere Ausgangsstoffe der PVC-Herstellung sind bedenklich. Weich-PVC ist durch die enthaltenen Weichmacher je nach Einsatzbereich physiologisch bedenklich.Damit PVC nicht mehr hart und spröde ist sondern elastische Eigenschaften erhält, werden Phtalate als Weichmacher eingesetzt. Phthalate haben unterschiedliche Wirkungen auf den Organismus. Einige Vertreter dieser Stoffgruppe können Veränderung des Hormonsystems hervorrufen oder beispielsweise die männliche Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Manche sind sogar Leber-toxisch. Sie gelangen  über den Speichel, Hautkontakt oder die Atemwege in den kindlichen Körper.
Hinzu kommt, dass bei der verbrennung toxische Stoffe entstehen


Polyethylen low density (PE-LD)

Beispiel: Lebensmittelverpackungen

Geringe Problematik siehe PE-HD

Polypropylen (PP)

Beispiele: Plastiktüten, Lebensmittelverpackungen (Joghurt oder Kethuo-Flasche), Strohhalme, Flaschenverschlüsse, Sportbekleidung
Geringe Problematik: Herstellung aus Rohöl in den meisten Anwendungen kommt Polyprolylen ohne die gesundheitsbedenklichen Weichmacher aus. Polypropylen wird deshalb als weniger gesundheitsschädlich eingeschätzt.

Polystyrol (PS)

Beispiele: Styropor, Magerineschalen, Fahrradhelme, Kleiderbügel
Geringe Problematik: 
Wird aus Erdöl hergestellt. 
Polystyrol ist für Lebensmittelverpackungen uneingeschränkt zugelassen, da es an sich unbedenklich für Lebewesen ist. Aus dem Kunststoff kann sich allerdings Styrol herauslösen. Styrol schädigt nachweislich das Fortpflanzungssystem und gilt als Giftstoff für das Gehirn und das vegetative Nervensystem. In Tierstudien wurde außerdem festgestellt, dass Styrol negative Auswirkungen auf das Immunsystem und einige Organe hat. Die Gefahr, dass sich Styrol aus dem Kunststoff löst, ist besonders hoch, wenn Lebensmittelverpackungen mit heißen oder öligen Inhalten befüllt werden.
 Polystyrol verrottet nicht. Es kann zwar technisch wiederverwertet werden, die Recyclingrate ist allerdings niedrig. Das liegt daran, dass Polystyrol in den Endprodukten oft mit anderen Stoffen vermischt wird.



Other - zB. Polycarbonat (PC)

Beispiele:  Mikrowellengeschirr, CD-Hüllen, Trinkflaschen,  Innenbeschichtungen von Getränke- und Konservendosen,  Thermopapiere (Kassenbons, Fahrkarten oder Parktickets)
Problemematik:  Aus Polycarbonat wird die hormonell wirksame Substanz Bisphenol A (BPA) freigesetzt. BPA wird mit Störungen der Sexual- und Gehirnentwicklung in Zusammenhang gebracht.
Im Juli 2016 wurde Bisphenol A als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B nach der CLP-Verordnung) eingestuft und aufgrund dieser Einstufung im Januar 2017 als besonders besorgniserregende Substanz (SVHC) nach der REACH-Verordnung identifiziert.





Plastik in Kosmetik erkennen


Die chemisch hergestellten Plastikzusätze könnt ihr an folgenden Bezeichnungen in der Liste der Inhaltsstoffe erkennen (Apps wie CodeCheck, Barcoo, Toxfox oder Cosmile helfen euch dabei):
  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmetacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polyethylene (PE)
  • Polyethyleneglycol (PEG)
  • Polyethyleneterephtalate (PET)
  • Polypropylene (PP)
  • Polypropyleneglycol (PPG)
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)
  • Siloxane



Fazit:

Wollen wir uns und unserer Umwelt was Gutes tun, sollten wir auf jegliche Art von Kunststoffen verzichten. Jedoch ist ein totaler Verzicht auf Plastik nicht immer umsetzbar. JEDE Alternative zählt! Und wenn es doch Kunststoff nach Hause schafft, entsorgt ihn bitte richtig. Dazu zählt das kleine Kunststofffenster bei der Nudelverpackung oder am Briefumschlag. Der Alu-Deckel oder die Banderole am Joghurtbecher. Und ist die Umstellung noch so klein. Jeder Beitrag zählt.

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