Mikroplastik steckt in uns allen

Täglich nehmen wir Mikroplastik zu uns: Wir essen es, wir trinken es und wir atmen es sogar ein. Eine australische Studie geht davon aus, dass wir 5 Gramm Mikroplastik pro Woche zu uns nehmen. Das ist so viel wie eine Scheckkarte.











Doch was ist eigentlich Mikroplastik?

Mikro- und Makroplastik sind Kunststoffe, die direkt oder indirekt durch menschliches Handeln in die Umwelt gelangen. Dabei ist es egal, ob die Kunststoffe aus erneuerbaren oder nicht erneuerbaren Quellen hergestellt werden. Denn auch Biokunststoffe aus Zuckerrohr oder anderen Naturstoffen können zum Teil nicht biologisch abgebaut werden und dienen als Quelle für Makro- und Mikroplastik (Beitrag Biokunststoffe).

Makroplastik bezeichnet größere Objekte (größer als 5mm) aus Kunststoff  (Beitrag: Was ist Plastik). 

Mikroplastik umfasst dabei Partikel und Fasern unterschiedlicher Herkunft, Größe, Form und chemischer Zusammensetzung. Mikroplastikpartikel oder Fasern sind zwischen 0,0001 (100 Nanometer) und 5 Millimeter groß (Quelle). Damit sind sie so klein wie Viren. 10-mal so klein wie eine Zelle und 100-mal kleiner als der Durchmesser eines Haares.

Grundsätzlich wird zwischen Mikroplastik Typ A und Typ B unterschieden (Quelle):

Typ A: Primäres Mikroplastik, was bereits bei der Herstellung eines Produktes erzeugt wird (zB. industriell hergestellte Granulate, Mikroplastikgranulate in Kosmetika oder Kunststoffen auf Obst)

Typ B: Primäres Mikroplastik, was bei der Nutzungsphase eines Produktes entsteht (zB. Abrieb von Autoreifen oder Kunststofffasern aus Kleidung)

Typ B: Sekundäres Mikroplastik, was bei der Verwitterung von Makroplastik entsteht (zB. Mülltüte)


Einteilung von Kunststoffemissionen in primäres Mikroplastik Typ A und Typ B sowie Makroplastik, das im Laufe der Zeit zu sekundärem Mikroplastik wird (Darstellung nach Fraunhoferinsitut, Quelle)


Jeder Bürger von Deutschland verantwortet Kunststoffemissionen von ca. 5,4 kg pro Jahr. Diese Kunststoffemissionen bestehen zu 26 % aus Makropalstik und zu 74 % aus Mikroplastik. Kunststoff, den wir tatsächlich sehen können macht also nur etwa ein Drittel aus. Den wohl gößeren Teil sehen wir erst gar nicht.


Verteilung der Kunststoffemissionen auf die drei Typen primäres Mikroplastik Typ A, Typ B und Makropalstik (Darstellung nach Fraunhoferinsitut, Quelle)




Das sind die Quellen für Mikroplastik

Das Frauenhofer Institut hat 2018 71 potenziell relevante Quellen für Primäres Mikroplastik Typ B
identifiziert (Quelle). 

Zu den Top 10 Quellen gehören:

1. Reifen
2. Abfallentsorgung
3. Asphalt
4. Pelletverluste
5. Verwehungen von Sport- und Spielplätzen
6. Freisetzung auf Baustellen
7. Abrieb von Schuhsohlen
8. Kunststoffverpackungen
9. Fahrbahnmarkierungen
10. Faserabrieb bei der Textilwäsche

Mikroplastik in Putz- und Waschmitteln landet auf Platz 14. 
Mikroplastik aus Kosmetika auf Platz 17.




Welche gesundheitlichen Folgen hat die Aufnahme von Mikroplastik

Der Mensch kann Mikroplastik über Trinkwasser, Luft, Lebensmittel, Staub und kosmetische Mittel
aufnehmen (Quelle). Eine australische Studie geht davon aus, dass wir 5 Gramm Mikroplastik pro Woche zu uns nehmen. Das ist so viel wie eine Scheckkarte (Quelle). Dieses Ergebnis beruht allerdings nur auf theoretischen Werten und bezieht sich lediglich auf die Aufnahme von Mikroplastik aus Wasser, Schalentieren, Fisch, Salz, Bier, Honig und Zucker. Alle anderen Quellen gehen nicht mit in diese Berechnung ein. Diese 5 Gramm sind also nur die Spitze des Eisberges.



Damit Schadstoffe nicht in unseren Körper gelangen, besitzen wir Menschen mehrere Barrieren. 

Wir nehmen Mikroplastik über die Nahrung, Trinkwasser oder die Atmung zu uns. Mehrere Barrieren verhindern das Endringen größerer Partikel. Die Folfen von Eindringen kleinerer Partikel sind bisher auf Grund fehlender Daten nicht einschätzbar. Quelle: Umweltbundesamt 




Unsere Darmzellen verhindern das Eindringen von Partikeln, die größer als 150 μm sind (Quelle). Eine Aufnahme in die Darmzelle ist in der Regel erst unter 10 μm möglich (Quelle). Die aufgenommenen Partikel gelangen so ins Blut und verteilen sich im ganzen Körper.


Zitat Umweltbundesamt (Januar 2019): 
„In allen Geweben, mit denen die Partikel in Kontakt kommen, könnten sie prinzipiell eine unerwünschte Wirkung entfalten“ (Quelle). Forschungen diesbezüglich beginnen langsam...

Das Bundesamt für Risikobewertung sieht nach derzeitigem Stand des Wissens aufgrund mangelnder
Daten keine gesundheitlichen Risiken für den Menschen bei der direkten Aufnahme von Mikroplastikpartikeln über die Nahrung (Quelle).

Zitat Bundesamt für Risikobewertung: 
„Aufgrund mangelnder Datenlage kann derzeit [...] noch keine zusammenfassende Bewertung der Wirkung von Mikroplastik auf die Darmbarriere sowie eine abschließende Risikobewertung [...] erfolgen.“

Kurz gefasst: Aufgrund fehlender Langzeitdaten weiß keiner, welche Wirkung Mikroplastik in unserem Körper hat.


Ein viel größeres Problem stellt das Mikroplastik, was bereits im Umlauf war und wir dann wieder über Trinkwasser zu uns nehmen, dar. Bedenkliche Stoffe wie zB. PCB* (Polychloride Biphenyle) oder PAK* (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) können sich an die Mikroplastikpartikel anlagern (Quelle).
Wir produzieren also „harmlose“ Mikroplastikpartikel und bringen diese in den Kreislauf, wo sie sich mit Schadstoffen aufladen. Über Nahrung, Staub und Lebensmittel (Honig, Muscheln, Salz...) nehmen wir diese aufgeladenen Partikel wieder zu uns. Aufgeladen mit Stoffen, die hormonell wirksam, fruchtbarkeitsschädigend oder sogar krebserregend sein können.

Dieses Problem wird erst seit Juni 2019 im Bundesamt für Risikobewertung diskutiert. Langzeitstudien fehlen.


Mikroplastik und seine Auswirkungen für die Tiere und Natur

Je klein­er der Plas­tik­par­tikel ist, desto größer das Risiko der Auf­nahme und die Anzahl der Tiere, die es kon­sum­ieren. Und ein­mal in den Organ­is­mus der Meer­estiere aufgenom­men, kön­nen diese Teilchen oft nicht mehr aus­geschieden wer­den. Es kommt zu Dar­mver­schlüssen, Ver­let­zun­gen an Schleimhäuten, Entzün­dun­gen und zu Störun­gen des Hor­mon­haushalts (Quelle). 



So vermeidest du Mikroplastikemissionen:

  • Verzicht von Makroplastik
  • Verpackungen, Plastiktüten, billige Wegwerfartikel oder Einwegprodukte aus Kunststoff meiden oder durch Alternativen ersetzen
  • Plastik im Urlaub meiden: Versuche in Ländern, die ihren Müll nicht recyceln können, auf Plastik zu verzichten
  • Egal so: Müll bitte wieder mitnehmen (dazu zählt auch Plastikmüll, den andere achtlos in die Natur geworfen haben).
  • Bioplastik ist keine Alternative
  • Mehrweg- statt Einweg
  • Keine kostenlose Palstiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung. Du wäschst dein Obst und Gemüse doch eh zu Hause
  • Keine To-Go-Kaffeebecher samt Plastikdeckel. Beste Alternative (Glas oder Edelstahl), kein Bambus! (Beitrag Bambus hier)
  • Produkte des täglichen Bedarfs (Shampoo, Zahnbürsten, Seifen…), die nicht aus Kunststoff sind, findest du mittlerweile in jeder Drogierie
  • Kosmetikprodukte wie Peelings oder Zahnpasten, die Mikroplastik enthalten, kann man super durch natürliche Alternativen ohne Mikropalstik ersetzen
  • Gibt es einen Unverpacktladen in deiner Nähe? Teste ihn doch mal
  • Richtige Trennung von Plastikmüll



Mein Fazit:

Nicht jeder ist perfekt. Und auch wenn noch keine Langzeitstudien über die Folgen des Mikroplastiks vorhanden sind, sollten wir dennoch alles dafür tun, unsere Mikroplastikemissionen zu reduzieren und nicht auf die Ergebnisse der Wissenschaftler warten. Deshalb zählt jeder Beitrag, egal wie klein er doch ist. 



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