Was ist drin in der Säuglingsmilch

Teil 2: Schadstoffe in Säuglingsmilch

Im Auftrag von foodwatch hatten drei zertifizierte Labore unabhängig voneinander und mit unterschiedlichen Analysemethoden Babymilch auf Mineralöle untersucht. Von vier in Deutschland eingekauften Produkten waren drei mit krebsverdächtigen aromatischen Mineralölbestandteilen (MOAH) verunreinigt.

In diesem Teil werde ich euch erklären, welche Schadstoffe in Säuglingsmilch vorkommen können, warum sie schädlich sind und wie es zu solchen Verunreinigungen kommt.







Hinweis: Trotz der Fortschritte bei der Zusammensetzung und Herstellung von Milchpulver reicht Säuglingsnahrung noch nicht annähernd an die gesundheitlichen Vorteile deiner Muttermilch heran. 



Schadstoffe in Säuglingsmilch

Muttermilch nährt unsre Kleinen von Geburt an und schützt sie vor Infektionen und reduziert das Risiko für Übergewicht und Allergien. Hersteller von Muttermilchersatz-Produkten wie Pre-Nahrung oder Säuglings-Milch arbeiten daran, die natürliche Muttermilch so gut wie möglich nachzuahmen.

Doch dabei scheint so einiges schief zu gehen. Öko-Test hat herausgefunden, dass in vielen einerseits zu viele Schadstoffe Milchpulvern stecken, andererseits viele wichtige Nährstoffe fehlen.
Alle getesteten Milchpulver wurden auf Fettschadstoffe, Mineralöl-Rückstände und Reste von Desinfektionsmitteln untersucht.  

„kein einziges Produkt war frei von Mineralöl-Rückständen

Komischerweise vergaben die Tester an zwei Produkte die Note gut, obwohl diese Werte erhöht waren. Und auch die 4 Bio-Produkte, die die Note gut bekommen haben, hatten erhöhte MOSH/POSH-Werte. Lediglich 2 Produkte hatten nur Spuren dieser Rückstände und bekamen auf Grund fehlender Öle (AHA, DHA) die Note befriedigend.

Eine dieser Marken hat ihre Rezeptur bereits geändert und die fehlenden Fettsäuren nun in ihrem Pulver (Babivita Pre).

Von vier Pre-Nahrungen rät Öko-Test daher sogar ab.

Durchgefallen sind vor allem beliebte Marken. In den Pre-Milchpulvern von Aptamil, Nestle, Baylove und Rossmanns Babydream wurden verschiedene Schadstoffe gefunden.



1.      Fettschadstoffe: 3-MCPD-, 2-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern
EFSA: Bei der chemischen Verbindung 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD) und damit verwandten Substanzen, die als 3-MCPD-Ester bezeichnet werden, handelt es sich um Prozesskontaminanten, die in einigen verarbeiteten Lebensmitteln sowie Pflanzenölen, hauptsächlich Palmöl, zu finden sind. 3-MCPD und seine Ester bilden sich unbeabsichtigterweise in diesen Lebensmitteln, insbesondere bei der Raffination von Ölen, also der industriellen Reinigung von pflanzlichen Fetten und Ölen mithilfe von Wärme.
EFSA: Glycidylfettsäureestern (GE) setzen während der Verdauung Glycidol frei, das als krebserregend und erbgutschädigend gilt. Zitat EFSA: „GE sind gesundheitlich bedenklich, da sie sowohl genotoxisch als auch karzinogen sind, d.h. sie können die DNA schädigen und Krebs verursachen.“
ÖKO-Test: „In Muttermilchersatznahrung gilt seit Kurzem ein Grenzwert, der bei keiner der Nahrungen überschritten wird. Die tägliche Aufnahmemenge ist nach unserem Testergebnis mit der Rossmann-Eigenmarke Babydream Anfangsmilch Pre dennoch vergleichsweise hoch. Wir werten um zwei Noten ab.“
Öko-Test fand in allen getesteten Produkten Spuren von MCPD. In manchen sogar Glycidester.


Quelle Öko-Test


Zitat Öko-Test: „Erfreulich ist, dass die aktuellen 3-MCPD-Gehalte der getesteten Pre-Nahrungen nicht mehr zu einer Überschreitung der tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge (TDI) laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) führen.“
Ich finde es leider nicht so erfreulich.



2.      Mineralöl- und Kunststoffbestandteile: Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (MKW): MOSH und MOAH

Mit den Abkürzungen MOSH und MOAH werden zwei unterschiedliche Gruppen chemischer Verbindungen bezeichnet, die im Mineralöl vorkommen.




MOSH (englisch Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) sind Mineralölkomponenten. Es handelt sich um ein komplexes Gemisch aus gesättigten Kohlenwasserstoffe. Toxikologisch gesehen sind diese Verbindungen problematisch, da sie nicht nur eine Belastung für den menschlichen Körper darstellen, sondern auch in bestimmten Geweben ansammeln können. Die EFSAv stufte die MOSH als potenziell besorgniserregend ein.

MOAH (englisch Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) sind eine Gruppe von Stoffen, von denen einige möglicherweise krebserregend sind und die zum Beispiel aus Druckfarben in Lebensmittel übergehen können. Als Hauptquelle für die Belastung gelten bisher Verpackungen aus Recyclingpapier. Sie lagern sich in menschlichem Gewebe an und fördern Tumorwachstum. Sie gelten sogar als potenziell krebserregend.

Zu den MOSH zählen dabei kettenförmige (Paraffine), cyclische (Naphtene) Alkane und die polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK).

BFR: Die in Lebensmitteln nachgewiesene Fraktion an aromatischen Kohlenwasserstoffverbindungen (MOAH) kann aus unterschiedlichen Eintragsquellen stammen. Meist handelt es sich dabei um eine komplexe Mischung aus überwiegend alkylierten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, zu denen auch krebserzeugende Substanzen gehören können. Eine gesundheitliche Bewertung ist aufgrund der unzureichenden Datenlage nicht möglich.
Schwieriger ist das bei den gesättigten Kohlenwasserstoffen MOSH/POSH. MOSH und POSH sind Stoffgruppen, die sich chemisch so sehr gleichen, dass sie sich mit der üblichen Analysemethode nicht sicher unterscheiden lassen. Wie MOAH sind MOSH Mineralölbestandteile. Von ihnen ist bekannt, dass sie sich im menschlichen Fettgewebe und in der Leber anreichern. Ob POSH die gleichen oder andere Risiken mit sich bringen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. POSH lösen sich aus Kunststoffen, hier möglicherweise aus Beschichtungen der Innenbeutel der Milchpulver. Nach unserer Auffassung sollten vorsichtshalber sowohl MOSH als auch POSH in Lebensmitteln so weit minimiert werden, wie irgend möglich.

BFR: Gesättigte Kohlenwasserstoffe (MOSH) eines bestimmten Kettenlängenbereichs werden vom Körper aufgenommen und können auch beim Menschen in einigen Organen nachgewiesen werden. Aus tierexperimentellen Studien ist bekannt, dass Mineralölgemische, die solche Verbindungen enthalten, zu Ablagerungen und entzündlichen Effekten in der Leber in einem bestimmten Rattenstamm führen können. Die Relevanz dieses Befundes für den Menschen ist jedoch noch nicht geklärt.

BFR: Polyolefin oligomeric saturated hydrocarbons (POSH) sind gesättigte Kohlenwasserstoffe, welche als Oligomere in bestimmten Kunststoffen, den Polyolefinen (z. B. Polyethylen, Polypropylen) enthalten sind. Werden solche Materialien als Verpackung oder zur Aufbewahrung von Lebensmitteln verwendet, können POSH in geringen Mengen auf die Lebensmittel übergehen. Dem BfR liegen keine toxikologischen Daten zu POSH vor. Eine gesundheitliche Bewertung dieser Stoffe konnte daher bislang nicht vorgenommen werden.

Das sagt Foodwatch: „Nach Einschätzung von foodwatch könnten sie von den als Verpackung verwendeten Weißblechdosen auf die Produkte übergegangen sein. Bei deren Produktion werden so genannte Walz- und Schneidöle verwendet. foodwatch riet Eltern daher, ihren Kindern vorsorglich keine Säuglingsmilch aus Weißblechdosen mehr zu füttern, bis die Hersteller belegen können, dass die Produkte unbelastet sind.“ Quelle


3.      Perchlorat und Chlorat aus Desinfektionsmitteln

Beim aktuellen Test haben die die Belastungen mit Rückständen aus Reinigungs- und Desinfektionsmitteln wie Chlorat und Perchlorat abgenommen. Spuren sind jedoch immer noch zu finden.


Quelle Öko-Test

Eine wiederholte Exposition gegenüber Perchlorat kann beim Menschen dazu führen, dass die Jodaufnahme gehemmt wird. Diese Hemmung kann bei Risikogruppen zeitweilige Veränderungen des Schilddrüsenhormonspiegels verursachen. Die Hemmung der Jodaufnahme durch Perchlorat kann rückgängig gemacht werden (Quelle).

Perchlorate sind Salze der Perchlorsäure. Perchloratvorkommen in der Umwelt sind hauptsächlich anthropogenen Ursprungs, d. h. durch den Menschen verursacht. Perchlorate wurden - anders als einige Chlorate - in der EU nie als Pflanzenschutzmittel- oder Biozidwirkstoff genehmigt. Perchlorat kann jedoch bei der Verwendung von chlorhaltigen Substanzen zur Reinigung oder Desinfektion als Nebenprodukt entstehen. Nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse ist als Eintragspfad der Kontakt von Lebensmitteln mit Wasser wahrscheinlich, das zuvor zu Desinfektionszwecken mit chlorhaltigen Biozidprodukten behandelt worden ist (Quelle).





Mein Fazit
Man kann sich echt glücklich schätzen, wenn man nicht auf Säuglingsmilch zurückgreifen muss. Umso schlimmer ist es, wenn man auf diese Produkte angewiesen ist oder sein Kind nur eine Marke trinkt. Ein Produkt, was wenig Mineralrückstände aufweist, enthält wichtige Nährstoffe nicht. Produkte mit den wichtigen Nährstoffen sind mit Schadstoffen belastet… Kein einziges entspricht den Vorgaben. Daher kann ich auch keines explizit empfehlen.

Anhand der Schadstoffbelastung und der Inhaltsstoffe würde ich (nur meine Meinung) die Bebivita Pre verwenden. Es fehlen zwar immer noch wichtige Aminosäuren, jedoch werde die (hoffentlich) 2020 noch folgen.

Ich hoffe, dass durch die Tests von Foodwatch (Quelle) und Ökotest (Quelle) die Hersteller was ändern.



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