Vitamin A

Vitamin A bezeichnet mehrere essentielle chemische Verbindungen, die in allen Tieren biologische Funktionen haben. Sie werden teilweise direkt mit der Nahrung aufgenommen oder aus Carotinen (Provitamin A) gebildet, wozu nicht alle Tiere in der Lage sind (Hauskatzen z. B. nicht). 

Wie wir am besten Vitamin A aufnehmen, warum wir es brauchen und in welchen Lebensmitteln es enthalten ist, erfahrt ihr HIER.















Was ist Vitamin A

Der Begriff Vitamin A oder präformiertes Vitamin A steht für die Substanz Retinol (Quelle). Vitamine sind organische Verbindungen, die der Organismus nicht als Energieträger, sondern für andere lebenswichtige Funktionen benötigt, die jedoch der Stoffwechsel nicht bedarfsdeckend synthetisieren kann.
Als Provitamin A (Vorstufe des Vitamin A) werden Carotinoide bezeichnet, die in Retinol umgewandelt werden können. 
Retinol findet sich in präformierter Form, also als solches, ausschließlich in Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Pflanzen enthalten hingegen ausschließlich Provitamin A-aktive Carotinoide. Unter den ca. 500–600 bekannten Carotinoiden können nur ca. 50 im Organismus bedarfsabhängig in Vitamin A umgewandelt werden. Die höchste Wirksamkeit besitzt β-Carotin. Im Mittel kann aus 6 mg dieses Carotinoids durch intramolekulare Spaltung 1 mg Vitamin A gebildet werden. Unabhängig von seiner Bedeutung als Vorstufe von Vitamin A besitzt β-Carotin antioxidative und immunmodulatorische Effekte und beeinflusst die Zellkommunikation. Diese Eigenschaften sind allerdings nicht als Vitaminwirkungen anzusehen, sondern fallen in den Bereich der bei sekundären Pflanzenstoffen beschriebenen Effekte.
Vitamin A und Provitamin A werden nach Einlagerung in gemischte Mizellen (Fetttröpfchen) hauptsächlich im oberen Dünndarm resorbiert. Fettreiche Nahrung begünstigt den Aufschluss durch Anregung der Produktion von Gallensäuren und Lipasen sowie die Bereitstellung von Lipidkomponenten der Mizellen.
Ca. 90 % der Vitamin-A-Körperreserven befinden sich in der Leber. Die Kapazität des Leberspeichers liegt bei 300–1000 μg/g und reicht für ca. 6 Monate (Quelle).




Funktion

All-trans-Retinol wird in aktive Derivate umgewandelt, die für 2 biologische Funktionen notwendig sind:
1. Retinal mit den Isomeren all-trans-Retinal und 11-cis-Retinal ist essenziell für den Sehvorgang.
2. All-trans-Retinsäure (Retinoat) ist an der Genregulation beteiligt.




Vitamin A Mangel



Weltweit ist Vitamin-A-Mangel die häufigste Hypovitaminose. Betroffen sind v. a. Schwangere und Kinder unter 5 Jahren in Entwicklungsländern. Repräsentative Studien in Deutschland zeigen eine Unterschreitung der Referenzwerte von Vitamin A bei 7- bis 11-jährigen Mädchen (Kinder besitzen eine geringere Speichermöglichkeiten, DGE). 
Infektionskrankheiten (v. a. Masern) führen zu erhöhtem Vitamin-A-Verbrauch und Verlust von wichtigen Syntheseproteinen über die Niere. Frühgeburten haben häufig geringe Leber- und Organspeicherkapazitäten (v. a. der Lunge). Unterversorgung ist mit zahlreichen unspezifischen Symptomen assoziiert (Infektionsanfälligkeit, Trockenheit der Haut, Haare, Nägel und Augen, Haarausfall, erhöhter Lichtempfindlichkeit, Fruchtbarkeitsstörungen, beeinträchtigtem Geruchssinn, Tastsinn und Appetit, Müdigkeit und Wachstumsstörungen wie z. B. Störungen des Knochenwachstums im Kindesalter).
Ausgeprägter Mangel führt zu Nachtblindheit, Xerosis und Keratomalazie. Xerophthalmie ist eine Hauptursache für Blindheit bei Kindern in Entwicklungsländern.

Ursachen:
zu geringe Zufuhr (z.B. unausgewogene Ernährung)
erschwerte Aufnahme (z.B. aufgrund von Magen-Darm-Erkrankungen, Rauchen, Entzündungen, Stress)
schlechte Speicherfähigkeit (z.B. bei Alkoholmissbrauch)
erhöhter Bedarf, der nicht gedeckt wird (z.B. in der Schwangerschaft)



Vitamin A Überdosierung

Als Hypervitaminose werden jene Erscheinungen zusammengefasst, die bei übermäßiger Zufuhr der entsprechenden Vitamine, beispielsweise über die Ernährung, in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder Vitaminpräparaten, aber auch bei parenteraler („am Darm vorbei“, z. B. intravenös, intramuskulär) Gabe, auftreten können.
Der Körper kann überschüssiges Vitamin A kaum abbauen (da diese nicht wie die wasserlöslichen Vitamine über die Niere ausgeschieden werden können), weshalb es sich leicht im Körper anreichert, insbesondere in der Leber. Eine Überdosierung kann daher akut durch eine 50–100-fache Tagesdosis erfolgen oder chronisch durch langfristige Einnahme nur geringfügig überhöhter Dosen (Vitamin A ab etwa 5-facher Tagesdosis). Eine ernährungsbedingte Hypervitaminose kann praktisch nur durch Vitamin A aus Leber oder Lebertran auftreten.


Akute Vergiftungserscheinungen (ab 100facher Tagesdosis)
Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Doppelbilder

Chronische Vergiftungserscheinungen (Grenzwerte nicht definiert)
Kopfschmerzen, Haarausfall, Knochen- und Gelenkschmerzen, trockene Lippen, Lebervergrößerung

Erwachsene sollten täglich nicht mehr als drei Milligramm Retinoläquivalente aufnehmen. Weil der Verdacht besteht, dass zu viel Vitamin A das Ungeborene schädigen kann, sollten Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch und im ersten Schwangerschaftsdrittel auf Leber verzichten und sich zur Vitamin A-Zufuhr von Ihrem Frauenarzt beraten lassen. Auch Kleinkinder sollten Leber nur in geringen Mengen erhalten (Quelle).

!Vitamin A ist teilweise in Körperpflegeprodukten wie zum Beispiel Anti-Aging-Produkten enthalten. Der Körper kann es auch daraus aufnehmen.


Tagesbedarf

Die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr sind die Referenzwerte für die tägliche Zufuhr von Energie und Nährstoffen, welche von den Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz (D-A-CH) gemeinsam für den deutschsprachigen Raum Europas herausgegeben werden. Die Referenzwerte beinhalten Empfehlungen, Schätzwerte und Richtwerte.
INFO: Die Empfehlungen für die Flüssigkeitszufuhr sowie die Zufuhr an Ballaststoffen sollten möglichst jeden Tag eingehalten werden, während die Bilanz für die Zufuhr von Mineralstoffen und Vitaminen im Rahmen einer Woche ausgeglichen sein sollte. Bedeutet: Der Tagesbedarf einzelner Vitamine (Tabelle 1: Tagesbedarf Vitamin A) kann und muss nicht an jedem einzelnen Tag erreicht werden. Um die Gesundheit und das Wohlbefinden aufrechtzuerhalten, ist es vollkommen ausreichend, diese Empfehlungen innerhalb einer Woche zu erreichen.

Table 1: Tagesbedarf Vitamin A nach D-A-CH (Quelle)
Retinol
mg-Äquivalent/Tag
Alter
m
w
0 bis 4 unter Monate
0.5
4 bis unter 12 Monate
0.6
1 bis unter 4 Jahre
0.6
4 bis unter 7 Jahre
0.7
7 bis unter 10 Jahre
0.8
10 bis unter 13 Jahre
0.9
13 bis unter 15 Jahre
1.1
1
15 bis unter 19 Jahre
1
0.8
19 bis unter 51 Jahre
1
0.8
51 bis unter 65 Jahre
1
0.8
65 Jahre und älter
1
0.8
Schwangere
1.1
Stillende
1.5




Vitamin A in Lebensmitteln

Tiere nehmen Provitamine (Carotinoide) über pflanzliche Nahrung zu sich und speichern es als Vitamin A in Leber ab oder geben es über die Muttermilch an ihre Nachkommen weiter, weshalb Innereien und Milchprodukte die einzige Quelle für Retinol darstellen. Pflanzliche Produkte enthalten lediglich die Vorstufe des Vitamins (ß-Carotin und andere Carotine). Sie müssen also nach der Aufnahme vom Körper erst in ihre wirksame Form umgebaut werden. Da aus ß-Carotinen und anderen Carotinen nur eine geringere Menge Vitamin A hergestellt werden kann, wird der Gehalt in Lebensmitteln in Retinol-Äquivalenten, also in wirkungsgleichen Mengen, angegeben. 

Die Formel für die Umrechnung in Retinol-Äquivalente lautet:
1 mg Retinol-Äquivalent (RÄ) = 1 mg Retinol = 6 mg ß-Carotin = 12 mg andere Carotine

Beispiel:
Ich esse 50 Gramm Karotte, die 4722 μg ß-Carotin enthält und 0 ß-Carotin Retinol. Diese Menge entspricht einem Retinol Äquivalent von 787 μg. (Tagesbedarf einer 30-jährigen Frau also schon fast gedeckt).

Vitamin A Quellen: Tierprodukte (Quelle)
Lebensmittel
Retinol Äquivalent je 100 Gramm
% Tagesbedarf
Innereien (Leber)
Kalb roh: 21900 µg RÄ
Rind roh: 15300 µg RÄ
Schwein roh: 17595 µg RÄ
2433 %
1700 %
1760 %
Kalbsleberwurst
5265 µg RÄ
585 %
Butter (Kuhmilch)
653 µg RÄ
73 %
Thunfisch frisch
450 µg RÄ
50 %
Fischöl (Hering)
450 µg RÄ
50 %
Parmesan (45%)
415 µg RÄ
46 %
Bergkäse (45%)
360 µg RÄ
40 %
Schlagsahne 30%
360 µg RÄ
40 %
Frischkäse Doppelrahm
415 µg RÄ
36 %
Gouda (mind. 45 % Fett i. Tr.)
285 µg RÄ
32 %
Hühnerei
278 µg RÄ
31 %
Joghurt Vollfett (Kuhmilch):
33 µg RÄ
4 %
Kuhmilch (3,5%)
31 µg RÄ
4 %
Buttermilch
9 µg RÄ
1 %




Vitamin A Quellen: pflanzliche Lebensmittel (Quelle)
Lebensmittel
Retinol Äquivalent je 100 Gramm
% Tagesbedarf
Aprikosen
Getrocknet: 5767 µg RÄ
Roh: 267 µg RÄ
641 %
30 %
Palmöl/Palmfett
4336 µg RÄ
482 %
Mango
Getrocknet: 2000 µg RÄ
Frisch: 462 µg RÄ
222 %
51 %
Karotte
Frisch: 1574 µg RÄ
Gedünstet: 1220 µg RÄ
Gegart: 1359 µg RÄ
175 %
136 %
151 %
Süßkartoffeln
1426 µg RÄ
158 %
Dill
1017 μg RÄ
113 %
Petersilie
902 μg RÄ
100 %
Grünkohl frisch
862 µg RÄ
96 %
Hagebutte
Getrocknet: 818 µg RÄ
Frisch: 400 µg RÄ
91 %
44 %
Fenchel gegart
789 µg RÄ
88 %
Spinat roh
Blattspinat frisch: 781 µg RÄ
Blattspinat tiefgefroren: 779 µg RÄ
Rahmspinat zubereitet: 654 µg RÄ
87 %
87 %
73 %
Honigmelone
221,4 µg RÄ
87 %
Basilikum
658 µg RÄ
73 %
Margarine (pflanzlich)
508 µg RÄ
68 %
Rapsöl
550 µg RÄ
61 %
Gemüsepaprika
Rot: 354 µg RÄ
Gelb: 31 µg RÄ
Grün: 180 µg RÄ
39 %
3 %
20 %
Rucola
671,4 µg RÄ
25 %
Lauchzwiebel
200 µg RÄ
22 %
Brokkoli roh
143 µg RÄ
16 %
Tomaten
Roh: 99 µg RÄ
Getrocknet: 201 µg RÄ
Mark: 217 µg RÄ
11 %
22 %
24 %


Keine Kommentare:

Kommentar posten